„Schreiben ist, den Menschen erfinden“

Jean-Paul Sartre

Buchtipps des Monats - Sommer 2020

    Burnside: In hellen Sommernächten
  • John Burnside
  • In hellen Sommernächten
  • Penguin München 2018
  • ISBN 978-3-328-10171-0
  • € 12.00

Liv lebt mit ihrer Mutter auf einer norwegischen Insel nah am Polarkreis. Als ein Junge aus ihrer Klasse verschwindet und schließlich tot angespült wird, scheint das die Bewohner nicht zu beunruhigen. Doch dann ertrinken immer mehr junge Männer auf rätselhafte Weise. Hat, wie es die Sage behauptet, die Waldfee Huldra ihre Hand im Spiel? Oder werden die Männer von der schönen Maia getötet? Die stille Liv versucht dem Rätsel auf den Grund zu gehen - doch nichts ist so, wie es scheint ...

    Seiler: Stern 111
  • Lutz Seiler
  • Stern 111
  • Suhrkamp 2020
  • ISBN 978-3-518-42925-9
  • € 24.00

Preis der Leipziger Buchmesse 2020

Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlässt das Ehepaar Bischoff sein altes Leben - die Wohnung, den Garten, seine Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem "Lebensgeheimnis", von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des "klugen Rudels" aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, "die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war".
Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse: Nach dem prämierten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort - in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.

    Helfer: Die Bagage
  • Monika Helfer
  • Die Bagage
  • Hanser 2020
  • ISBN 978-3-446-26562-2
  • € 19.00

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.

    Han: Vom Verschwinden der Rituale
  • Byung-Chul Han
  • Vom Verschwinden der Rituale. Eine Topologie der Gegenwart
  • Ullstein 2019
  • ISBN 978-3-550-05071-8
  • € 20.00

Byung-Chul Han macht in seinem neuen Buch deutlich, wie verloren der Einzelne in einer Gesellschaft zunehmender Individualisierung ist und warum wir dringend eine neue Lebensform brauchen.
(Verlagsinformation)

    Habermalz: Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam
  • Christiane Habermalz
  • Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam
  • Heyne 2020
  • ISBN 978-3-453-60547-3
  • € 9.99

Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin: Gebt Insekten ein Zuhause!

Nächtliches Sträucherpflanzen in öffentlichen Parks, heimliches Begrünen karger Straßenränder, subtiles Unterwandern der Petunienkultur: Christiane Habermalz ist als Guerilla-Gärtnerin in ihrem Kiez in Berlin unterwegs, um Inseln für Insekten zu schaffen. Sie weiß: Der Kampf gegen das Artensterben beginnt vor der eigenen Haustür.Mit viel Humor und Leidenschaft für Sechsbeiner aller Art lässt sie uns daran teilhaben, was sie selber über Pflanzen und Insekten lernt und öffnet uns dabei die Augen für ein verborgenes Universum, an dem man allzu oft blind vorübergeht.Eine persönliche Auflehnung gegen sterile Grünflächen und aufgeräumte Gärten, voller nützlicher Tipps, um ganz einfach selbst aktiv zu werden.

    Kolbe: Image
  • Uwe Kolbe
  • Image. Gedichte
  • S. Fischer 2020
  • ISBN 978-3-10-397322-8
  • € 21.00

Gibt es ein leichtes Sprechen, das nicht leichtfertig ist? Ein Sprechen, das Eifer und Zorn hinter sich lässt, ohne deshalb bequem zu werden? Ein Sprechen, das zu dem Überall von Information und Meinung ruhigere Seitenstücke bildet, Worte findet, mit denen Lebensfragen zu formulieren sind?
Ein Wanderer nimmt in Uwe Kolbes neuen Gedichten die Natur und den Himmel in sein Lied herein. Wie schon in seinen erfolgreichen "Psalmen" sind vor allem die gefiederten Begleiter allgegenwärtig: die Krähen und ihr Krakeel, die Amsel, ihr klagender Ton, der Bussard in seiner Höhe. Literarische Konvention verbindet sich dabei mit dem Wissen um das fragile Gleichgewicht des Planeten.
Fragil aber ist auch der Alltag von Ich und Du. Immer dann, wenn Uwe Kolbes Gedichte sich diesem Alltag nähern, werden sie dramatisch, und seine Verse müssen sich kraftvoll beim eigenen Zopf nehmen.

Buchpremiere in der Buchhandlung LeseZeichen am 3. April 2020, 20 Uhr