Einige Bücher sind zu Unrecht vergessen; keines ist zu Unrecht in Erinnerung.

W. H. Auden

Buchtipps des Monats - Sommer 2019

    Houellebecq: Serotonin
  • Michel Houellebecq
  • Serotonin
  • DuMont 2019
  • ISBN 978-3-8321-8388-2
  • € 24.00

Als der 46-jährige Protagonist von SEROTONIN, dem neuen Roman des Goncourt-Preisträgers Michel Houellebecq, Bilanz zieht, beschließt er, sich aus seinem Leben zu verabschieden - eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre neue Antidepressivum Captorix nichts zu ändern vermag, das ihn in erster Linie seine Libido kostet. Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegenwart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globalisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er sich selbst und andere verraten hat.

Noch nie hat Michel Houellebecq so ernsthaft und voller Emotion über die Liebe geschrieben. Zugleich schildert er in SEROTONIN den Kampf und den drohenden Untergang eines klassischen Wirtschaftszweigs in unserer Zeit der Weltmärkte und der gesichtslosen EU-Bürokratie.

    Binet: Die siebte Sprachfunktion
  • Laurent Binet
  • Die siebte Sprachfunktion
  • Rowohlt TB 2018
  • ISBN 978-3-499-27221-9
  • € 12.00

Paris, Frühjahr 1980: Nach einem Essen mit dem Kandidaten für das Amt des Präsidenten, François Mitterrand, wird Roland Barthes von einem bulgarischen Wäschelieferanten überfahren. Das Manuskript, das er bei sich trug, verschwindet spurlos. Ein Passant, Michel Foucault, ist Zeuge des Unfalls und behauptet, es war Mord.
Der Tod des Autors stellt Kommissar Bayard vor viele Rätsel.

Ein Buch voller aberwitziger Anspielungen und Parodien auf die französischen Intellektuellen und auf die Drugs-&-Sex-Welt der Nach-Achtundsechziger, voller echter und verfremdeter Zitate, voller Esprit. Ein hochaktueller Roman, nicht zuletzt über die rhetorischen Mittel, mit denen sich Frauen, Männer und Wahlen gewinnen lassen.

    Weiner: Alles über Heather
  • Matthew Weiner
  • Alles über Heather
  • Rowohlt TB 2019
  • ISBN 978-3-499-29146-3
  • € 10.00

Mark und Karen Breakstone haben spät geheiratet und ein einziges Kind: Heather. Die kleine Familie lebt ihr von materiellen Sorgen freies Leben in Manhattan, doch das Dreieck ist labil. Heather, das von allen vergötterte Mamakind, wendet sich mit der Pubertät von der Mutter ab. Und die erträgt das nicht.
Parallel erzählt Weiner das Schicksal von Bobby Klasky, Kind einer drogensüchtigen Prostituierten, geboren in die Hölle hinein. Früh landet er im Gefängnis, wo ihm der letzte Rest von Menschlichkeit abhandenkommt. Als sich die beiden Geschichten kreuzen, ist die Katastrophe unvermeidlich. Im Mittelpunkt steht, ohne es zu wissen, Heather.

    Scheer: Machandel
  • Regina Scheer
  • Machandel
  • 2016
  • ISBN 978-3-328-10024-9
  • € 11.00

Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Roman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.