Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.

Francis Bacon

Buchtipps des Monats - Herbst 2018

    Würger: Der Club
  • Takis Würger
  • Der Club
  • Kein & Aber 2018
  • ISBN 978-3-0369-5972-6
  • € 12.00

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Er bekommt ein Stipendium für die Universität in Cambridge - als Gegenleistung soll er dort ein Verbrechen aufklären. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden - dem Club mit dem Schmetterlingssiegel -, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Bald merkt er, dass hinter den alten Mauern der britischen Oberschicht Geheimnisse lauern, über die keiner spricht. Was ist Hans bereit zu geben, um dazuzugehören? Muss er das Falsche tun, um das Richtige zu erreichen?

    Ortheil: Was ich liebe - und was nicht
  • Hanns-Josef Ortheil
  • Was ich liebe - und was nicht
  • btb 2018
  • ISBN 978-3-442-71688-3
  • € 12.00

Hanns-Josef Ortheil erzählt von seinen Lebensthemen: Entlang zentraler Stichworte wie Wohnen, Reisen, Essen und Trinken, Film, Jahreszeiten oder Musik geht er den vielfältigen Facetten einer literarischen Lebenskunst auf den Grund. Diese Passionen werden nicht nur beschrieben, sondern auch nach ihrer Herkunft und vor allem danach befragt, was sich hinter ihnen verbirgt. Warum hasst Ortheil Frühstücksbüfetts, und warum hört er beim Schreiben ausschließlich Klaviermusik aus den Zeiten vor 1750? Wieso gefällt ihm eine so spröde TV-Sendung wie das "Alpenpanorama", und warum wird er wohl nie nach Japan reisen, vielleicht aber einmal ein Buch über Japan schreiben?

    Yanagihara: Ein wenig Leben
  • Hanya Yanagihara
  • Ein wenig Leben
  • Piper 2018
  • ISBN 978-3-492-30870-0
  • € 16.00

Jude, JB, Willem und Malcolm: Vier New Yorker, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe - ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe.

    Ogawa: Zärtliche Klagen
  • Yoko Ogawa
  • Zärtliche Klagen
  • Aufbau TB 2018
  • ISBN 978-3-7466-3437-1
  • € 10.00

Auf der Flucht vor ihrem untreuen Ehemann zieht sich die Kalligrafin Ruriko in ein Landhaus in den Bergen zurück. Dann begegnet sie ihrem Nachbarn Nitta, einem Pianisten, der in Gegenwart anderer nicht mehr zu spielen vermag und nun Cembalos baut, sowie seiner Assistentin. Obwohl Ruriko spürt, dass zwischen Nitta und der jungen Frau unsichtbare Bande bestehen, fühlt sie sich zu ihm hingezogen, und es entspinnt sich eine zarte Dreiecksbeziehung.

Ein außergewöhnlicher Roman über die Flüchtigkeit des Glücks und den unbegreiflichen Zauber der Musik.

    Kappacher: Ich erinnere mich und andere Prosa
  • Walter Kappacher
  • Ich erinnere mich und andere Prosa
  • Müry Salzmann 2018
  • ISBN 978-3-99014-167-0
  • € 24.00

"In den Aufzeichnungen von Canetti fand ich einmal den Satz: ,Er schrieb seine Romane nicht, er ging sie.' Ich überlegte mir, woher Canetti das über mich wissen konnte." Zu Papier gebracht hat Walter Kappacher seine Gedanken über das Gehen und Schreiben jedenfalls erst viel später.
"Ich erinnere mich" ist das persönliche Zeugnis des bislang letzten österreichischen Büchner-Preisträgers, das sich in wohldosierten Portionen zu einem Ganzen fügt - lapidar und voll feinem Humor erzählt.

    Port: Das schlaflose Buch
  • Moni Port
  • Das schlaflose Buch
  • Klett Kinderbuch 2018
  • ISBN 978-3-95470-192-6
  • € 14.00

Wenn man nachts nicht schlafen kann, kommen oft die seltsamsten Gedanken. Die Bilder und Vorstellungen springen zwischen Ängsten und Wünschen, zwischen Fakten und Fantasien. Moni Port zieht uns mit ihrer unvergleichlich assoziativen Erzähl- und Collagetechnik mitten hinein in solch eine Reise durch die Nacht. Eine Denk- und Bilderflut, die mit einem Walfisch anfängt und mit einem Glas Wasser aufhört und dazwischen die ganze Welt umkreist. Bis zum seligen Einschlafen. Ein kindlicher Stream of Consciousness, ein Traum. Stoff für Gedanken-Akrobaten: angenehm verwirrend, magisch, tröstlich.

Buchtipps des Monats - Sommer 2018

    Kinsky: Hain
  • Esther Kinsky
  • Hain. Geländeroman
  • Suhrkamp 2018
  • ISBN 978-3-518-42789-7
  • € 24.00

Drei Reisen unternimmt die Ich-Erzählerin in Esther Kinskys Geländeroman . Alle drei führen sie nach Italien, doch nicht an die bekannten, im Kunstführer verzeichneten Orte, nicht nach Rom, Florenz oder Siena, sondern in abseitige Landstriche und Gegenden - nach Olevano Romano etwa, einer Kleinstadt in den Hügeln nordöstlich der italienischen Hauptstadt gelegen, oder in die Valli di Comacchio, die Lagunenlandschaft im Delta des Po, halb von Vögeln beherrschte Wasserwelt, halb dem Wasser abgetrotztes Ackerland. Zwischen diesen beiden Geländeerkundungen im Gebirge und in der Ebene führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in die Kindheit: Wie bruchstückhafte Filmsequenzen tauchen die Erinnerungen an zahlreiche Fahrten durch das Italien der Siebzigerjahre auf, dominiert von der Figur des Vaters.

Esther Kinskys Streifzüge und Wanderungen - im Gedächtnis ebenso wie gehend oder fahrend in der Gegenwart - sind Italienische Reisen eigener Art. Sie erkunden mit allen Sinnen äußeres Terrain und führen doch ins Innere, zu Abbrüchen der Trauer und des Schmerzes und zu Inseln des Trostes. Der einfühlsame, präzise Blick der Reisenden entlockt jedem Gelände, was eigentlich im Verborgenen liegt: Geheimnis und Schönheit.
Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2018 und dem Düsseldorfer Literaturpreis 2018

    Kirsten: Die Prinzessinnen im Krautgarten
  • Wulf Kirsten
  • Die Prinzessinnen im Krautgarten. Eine Dorfkindheit
  • Fischer TB 2018
  • ISBN 978-3-596-70195-7
  • € 11.00

"Die Prinzessinnen im Krautgarten" sind Erinnerungen an seine Kindheit, die Wulf Kirsten in der Gemeinde Klipphausen im Landkreis Meißen verlebt hat. Er erzählt diese Dorfkindheit während der letzten Kriegsjahre, die im Tal der Wilden Sau vielerlei Überraschungen für ihn bereithielt, mit Poesie und Witz und leiser Melancholie. Die Kunst seiner Prosa evoziert für den Leser eine Welt und eine Landschaft, die heute verschwunden sind.

"Nichts schöner, als diesem Dichter zu folgen." Jürgen Verdofsky, Stuttgarter Zeitung

    Nizon: Sehblitz
  • Paul Nizon
  • Sehblitz. Almanach der modernen Kunst
  • Suhrkamp 2018
  • ISBN 978-3-518-46833-3
  • € 20.00

Sinnlich, anschaulich, meisterhaft: Paul Nizon hat neben seinen literarischen Werken über Jahrzehnte Kunstkritiken geschrieben. Sie zeigen den promovierten Kunsthistoriker als einen genauen Beobachter und scharfen Analytiker, als empathischen Sprachkünstler jenseits einer normierten Sehweise, der bei Malern und Bildhauern Verwandtschaften findet. Das "Lebendigwerden" der Landschaften van Goghs, die "Selbstwerdung" auf den Leinwänden Jackson Pollocks - sie befeuern jene radikale Selbst- und Lebenssuche, die Nizon in seinen Romanen und Journalen bis heute betreibt.
Zum ersten Mal in einem Auswahlband versammelt, fügen sich Paul Nizons Essays und Porträts aus sechzig Jahren zu einem persönlichen Museum der modernen Kunst: von Goya über Turner bis zu Hodler, Klimt und Munch, von Picasso und Malewitsch über Soutine und Miró bis zu Morandi, Rothko und Giacometti. Und ganz en passant zeichnet er dabei sein eigenes Leben mit und in der Kunst nach.

    Bohrer: Jetzt
  • Karl-Heinz Bohrer
  • Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie
  • Suhrkamp 2018
  • ISBN 978-3-518-46877-7
  • € 14.00

Karl Heinz Bohrer gilt als einer der streitbarsten deutschen Intellektuellen. Als Leiter des Literaturteils der FAZ im eigenen Haus umstritten, als Herausgeber des Merkur für kühne Thematik berüchtigt, als Hochschullehrer eine Gegenfigur der Linken, als Wissenschaftler mit seiner zentralen Theorie der Plötzlichkeit eine Herausforderung für alle, die es gewohnt sind, sich geschichtsphilosophische Sinnhorizonte zurechtzubiegen.

Die unbeirrbare Erwartung, dass die banale Gegenwart umschlägt in das phantastische Jetzt - das ist Karl Heinz Bohrers Motor in seiner autobiographischen Geschichte. Sie spielt in europäischen Metropolen wie London und Paris, an deutschen und amerikanischen Universitäten, auf essayistischem wie auf wissenschaftlichem Terrain. Und immer wieder auf der Bühne der Beziehungen: zu Frauen, Freunden, Weggefährten und Gegnern. Intellektuelle Abenteuer wechseln mit erotischen Eskapaden. Dabei erzählt er konsequent aus der Perspektive des aktuellen Erlebens: aus dem Jetzt .

    Strauß: Herkunft
  • Botho Strauß
  • Herkunft
  • DTV 2016
  • ISBN 978-3-423-14505-3
  • € 8.90

Botho Strauß erzählt, wovon er noch nie erzählt hat: von seiner Kindheit und Jugend in den 40er- und 50er-Jahren, von Naumburg und Bad Ems, den Orten, in denen er aufgewachsen ist, von seinen frühen, prägenden Erinnerungen. Vor allem ist es der Vater, ein Kriegsversehrter und von der Welt Enttäuschter, dessen Bild immer deutlicher hervortritt, liebevoll gezeichnet, doch ohne Selbsttäuschung. 'Herkunft' ist das konzentrierte, reiche Werk eines großen Schriftstellers.

    Kling: Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat
  • Marc-Uwe Kling
  • Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat
  • Carlsen 2018
  • ISBN 978-3-551-51679-4
  • € 12.00

Das erste Kinderbuch von Marc-Uwe Kling!

Das gibt's doch gar nicht, oder? Oma hat das Internet kaputt gemacht. Und zwar das ganze. Auf der ganzen Welt! Tiffany, Max und Luisa kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus, denn tatsächlich geht ... nichts mehr! Zuerst ist das ganz schön komisch. Denn plötzlich haben alle Zeit. Doch dann wird es richtig gemütlich, obwohl das Internet nicht funktioniert - oder vielleicht auch gerade deshalb. 6 bis 10 Jahre

Lachmuskeltraining für die ganze Familie!

Buchtipps des Monats - Frühjahr 2018

    Sußebach: Deutschland ab vom Wege
  • Henning Sußebach
  • Deutschland ab vom Wege. Eine Reise durch das Hinterland
  • Rowohlt TB 2018
  • ISBN 978-3-499-63169-6
  • € 9.99

Der preisgekrönte ZEIT -Reporter Henning Sußebach verlässt die Straßen und die Städte und durchwandert das deutsche Hinterland. Er gelangt in Gegenden, die wir kaum kennen, obwohl sie vor unserer Haustür liegen, und zu Menschen, die das Land bewirtschaften, aber von Städtern kaum wahrgenommen werden. Und es reift die beunruhigende Erkenntnis: Die gesellschaftliche Spaltung verläuft nicht allein zwischen Armen und Reichen, sondern vor allem zwischen Stadt und Land. Sußebach erzählt mit großer literarischer Kraft von seiner Reise, auf der er die Straßen verließ und eine andere Welt entdeckte.

    Goulson: Und sie fliegt doch
  • Dave Goulson
  • Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel
  • List TB 2016
  • ISBN 978-3-548-61281-2
  • € 12.00

Sie ist irgendwie pelzig und unter den schwarz-gelben Insekten ein ganz dicker Brummer: Die Hummel, ein wahres Wunder der Natur. Denn immer wenn sie ihren dicken Körper in die Luft wuchtet, überlistet sie mal ganz nebenbei die Schwerkraft. Sie hat einen fast doppelt so hohen Energieumsatz wie ein Kolibri und ist ein wichtiges Nutztier: Jährlich bestäubt sie Millionen Tomaten, Äpfel und Johannisbeeren. Doch die Hummel ist vom Aussterben bedroht. Und ihr Verschwinden hätte dramatische Folgen für die Menschheit. Ein kurioses wie charmantes Buch, voller Humor und zeitgleich eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die wahre Königin der Lüfte.
"Ein Buch voller Humor, Poesie, verrückten Geschichten und ernsthafter Wissenschaft." (Deutschlandfunk)

    Schenk: Schnell, dein Leben
  • Sylvie Schenk
  • Schnell, dein Leben
  • Goldmann 2018
  • ISBN 978-3-442-48606-9
  • € 9.00

Louise wächst im Frankreich der Nachkriegszeit auf, Johann in Westdeutschland. An der Universität von Lyon - Johann ist dort Gaststudent - lernen sie sich kennen. Sie verlieben sich, heiraten, ziehen in ein deutsches Dorf, sehen ihre Kinder aufwachsen und ihre Eltern sterben. Für Louise ist es kein einfaches Leben in der neuen Heimat, ihr Mann ist dort ein anderer, als der, den sie kennengelernt hat. Irgendwann erfährt sie: Ihr Schwiegervater hat im Krieg gegen die Franzosen gekämpft. Ein ganzes Leben lang suchen Louise und Johann nach passenden Worten für eine Zeit, über die nie jemand sprechen wollte.
Nominiert für die Shortlist zum 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2016

    Krause: Was wir reden, wenn es gewittert
  • Thilo Krause
  • Was wir reden, wenn es gewittert. Gedichte
  • Hanser 2018
  • ISBN 978-3-446-25816-7
  • € 18.00

Thilo Krause beschäftigen die Dinge und Wörter des Alltags. In der Berührung mit scheinbar einfachen Befindlichkeiten tun sich unerwartete Räume auf, weisen hinaus über das, was sie im ersten Moment zu sein scheinen. Seine Gedichte sind Wahrnehmung und Konzentration, ein Meditieren beim Tun: beim Kochen, Spazieren oder Reisen. Bei aller Einfachheit der Worte sind Klang, Rhythmen und Bilder das, was aus der Beobachtung ein Gedicht macht: "Draußen blitzt es. / Drinnen hält sich träge der Sommer. / Dosen, Flaschen, Müll glimmen im Farn". Mit dem in der Schweiz lebenden Thilo Krause ist eine besondere Stimme für die deutschsprachige Literatur zu entdecken.
"Der Lyriker Thilo Krause holt die Dinge aus ihrer Alltäglichkeit - und bringt sie zum Leuchten." Raoul Schrott

    Badstuber: Ich kenn ein Land, das du nicht kennst ...
  • Martina Badstuber
  • Ich kenn ein Land, das du nicht kennst .... Ich kenn noch ein Land, das du nicht kennst ...
  • Tulipan 2014
  • ISBN 978-3-86429-215-6
  • € 16.95

Wo gibt's denn so was: Kühe, die auf Matratzen schlafen, Pandabären, die im Handstand pinkeln, und Fische, die vom Himmel regnen? Das und noch viel mehr Kurioses kann man auf dieser wundersamen Bilderbuchreise rund um die Welt entdecken!
Der neue Doppelband zu 'Ich kenn ein Land, das du nicht kennst' und 'Ich kenn noch ein Land, das du nicht kennst'. Ab 4 Jahre

    Martynova: Über die Dummheit der Stunde
  • Olga Martynova
  • Über die Dummheit der Stunde. Essays
  • S. Fischer 2018
  • ISBN 978-3-10-002433-6
  • € 22.00

"Wir sehen die Gegenwart gar nicht. Noch nicht."

Was verändert sich gerade, in Deutschland, in Europa, weltweit? Kann Literatur überhaupt etwas zur Erkenntnis der Gegenwart beitragen? Welche Rolle spielt die Vergangenheit dabei? Und sollte die Literatur wieder politischer werden? Olga Martynova reist ins heutige Jerusalem und zurück in die Sowjetunion der achtziger Jahre. Sie trifft Künstler und Intellektuelle in ihrer Heimatstadt St. Petersburg und auf der Krim, und immer wieder wirft sie die Frage auf, wie Literatur mit den Schrecken der Zeit und der Tragik des Lebens umgeht. Im Reisegepäck hat sie dabei Autoren wie Joseph Brodsky und Paul Celan, Ossip Mandelstam und Ovid. Olga Martynovas Essays sind hellwach und hoch reflektiert. Es sind literarische Grenzgänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sensible Momentaufnahmen einer unruhigen Welt.