Einige Bücher sind zu Unrecht vergessen; keines ist zu Unrecht in Erinnerung.

W. H. Auden

Buchtipps des Monats - Frühjahr 2018

    Sußebach: Deutschland ab vom Wege
  • Henning Sußebach
  • Deutschland ab vom Wege. Eine Reise durch das Hinterland
  • Rowohlt TB 2018
  • ISBN 978-3-499-63169-6
  • € 9.99

Der preisgekrönte ZEIT -Reporter Henning Sußebach verlässt die Straßen und die Städte und durchwandert das deutsche Hinterland. Er gelangt in Gegenden, die wir kaum kennen, obwohl sie vor unserer Haustür liegen, und zu Menschen, die das Land bewirtschaften, aber von Städtern kaum wahrgenommen werden. Und es reift die beunruhigende Erkenntnis: Die gesellschaftliche Spaltung verläuft nicht allein zwischen Armen und Reichen, sondern vor allem zwischen Stadt und Land. Sußebach erzählt mit großer literarischer Kraft von seiner Reise, auf der er die Straßen verließ und eine andere Welt entdeckte.

    Goulson: Und sie fliegt doch
  • Dave Goulson
  • Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel
  • List TB 2016
  • ISBN 978-3-548-61281-2
  • € 12.00

Sie ist irgendwie pelzig und unter den schwarz-gelben Insekten ein ganz dicker Brummer: Die Hummel, ein wahres Wunder der Natur. Denn immer wenn sie ihren dicken Körper in die Luft wuchtet, überlistet sie mal ganz nebenbei die Schwerkraft. Sie hat einen fast doppelt so hohen Energieumsatz wie ein Kolibri und ist ein wichtiges Nutztier: Jährlich bestäubt sie Millionen Tomaten, Äpfel und Johannisbeeren. Doch die Hummel ist vom Aussterben bedroht. Und ihr Verschwinden hätte dramatische Folgen für die Menschheit. Ein kurioses wie charmantes Buch, voller Humor und zeitgleich eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die wahre Königin der Lüfte.
"Ein Buch voller Humor, Poesie, verrückten Geschichten und ernsthafter Wissenschaft." (Deutschlandfunk)

    Schenk: Schnell, dein Leben
  • Sylvie Schenk
  • Schnell, dein Leben
  • Goldmann 2018
  • ISBN 978-3-442-48606-9
  • € 9.00

Louise wächst im Frankreich der Nachkriegszeit auf, Johann in Westdeutschland. An der Universität von Lyon - Johann ist dort Gaststudent - lernen sie sich kennen. Sie verlieben sich, heiraten, ziehen in ein deutsches Dorf, sehen ihre Kinder aufwachsen und ihre Eltern sterben. Für Louise ist es kein einfaches Leben in der neuen Heimat, ihr Mann ist dort ein anderer, als der, den sie kennengelernt hat. Irgendwann erfährt sie: Ihr Schwiegervater hat im Krieg gegen die Franzosen gekämpft. Ein ganzes Leben lang suchen Louise und Johann nach passenden Worten für eine Zeit, über die nie jemand sprechen wollte.
Nominiert für die Shortlist zum 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2016

    Krause: Was wir reden, wenn es gewittert
  • Thilo Krause
  • Was wir reden, wenn es gewittert. Gedichte
  • Hanser 2018
  • ISBN 978-3-446-25816-7
  • € 18.00

Thilo Krause beschäftigen die Dinge und Wörter des Alltags. In der Berührung mit scheinbar einfachen Befindlichkeiten tun sich unerwartete Räume auf, weisen hinaus über das, was sie im ersten Moment zu sein scheinen. Seine Gedichte sind Wahrnehmung und Konzentration, ein Meditieren beim Tun: beim Kochen, Spazieren oder Reisen. Bei aller Einfachheit der Worte sind Klang, Rhythmen und Bilder das, was aus der Beobachtung ein Gedicht macht: "Draußen blitzt es. / Drinnen hält sich träge der Sommer. / Dosen, Flaschen, Müll glimmen im Farn". Mit dem in der Schweiz lebenden Thilo Krause ist eine besondere Stimme für die deutschsprachige Literatur zu entdecken.
"Der Lyriker Thilo Krause holt die Dinge aus ihrer Alltäglichkeit - und bringt sie zum Leuchten." Raoul Schrott

    Badstuber: Ich kenn ein Land, das du nicht kennst ...
  • Martina Badstuber
  • Ich kenn ein Land, das du nicht kennst .... Ich kenn noch ein Land, das du nicht kennst ...
  • Tulipan 2014
  • ISBN 978-3-86429-215-6
  • € 16.95

Wo gibt's denn so was: Kühe, die auf Matratzen schlafen, Pandabären, die im Handstand pinkeln, und Fische, die vom Himmel regnen? Das und noch viel mehr Kurioses kann man auf dieser wundersamen Bilderbuchreise rund um die Welt entdecken!
Der neue Doppelband zu 'Ich kenn ein Land, das du nicht kennst' und 'Ich kenn noch ein Land, das du nicht kennst'. Ab 4 Jahre

    Martynova: Über die Dummheit der Stunde
  • Olga Martynova
  • Über die Dummheit der Stunde. Essays
  • S. Fischer 2018
  • ISBN 978-3-10-002433-6
  • € 22.00

"Wir sehen die Gegenwart gar nicht. Noch nicht."

Was verändert sich gerade, in Deutschland, in Europa, weltweit? Kann Literatur überhaupt etwas zur Erkenntnis der Gegenwart beitragen? Welche Rolle spielt die Vergangenheit dabei? Und sollte die Literatur wieder politischer werden? Olga Martynova reist ins heutige Jerusalem und zurück in die Sowjetunion der achtziger Jahre. Sie trifft Künstler und Intellektuelle in ihrer Heimatstadt St. Petersburg und auf der Krim, und immer wieder wirft sie die Frage auf, wie Literatur mit den Schrecken der Zeit und der Tragik des Lebens umgeht. Im Reisegepäck hat sie dabei Autoren wie Joseph Brodsky und Paul Celan, Ossip Mandelstam und Ovid. Olga Martynovas Essays sind hellwach und hoch reflektiert. Es sind literarische Grenzgänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sensible Momentaufnahmen einer unruhigen Welt.

Buchtipps des Monats - Herbst/Winter 2017

    Schulze: Peter Holtz
  • Ingo Schulze
  • Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst
  • S. Fischer 2017
  • ISBN 978-3-10-397204-7
  • € 22.00

Vom Waisenkind zum Millionär - wie konnte das so schiefgehen?
Peter Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als CDU-Mitglied (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demokratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reichtum. Hat er sich für das Falsche eingesetzt? Oder für das Richtige, aber auf dem falschen Weg? Und vor allem: Wie wird er das Geld mit Anstand wieder los? Peter Holtz nimmt die Verheißungen des Kapitalismus beim Wort.
Mit Witz und Poesie lässt Ingo Schulze eine Figur erstehen, wie es sie noch nicht gab, wie wir sie aber heute brauchen: in Zeiten, in denen die Welt sich auf den Kopf stellt.

    Strout: Mit Blick aufs Meer
  • Elizabeth Strout
  • Mit Blick aufs Meer
  • btb 2012
  • ISBN 978-3-442-74203-5
  • € 10.00

In Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Maine, ist nicht viel los. Doch sieht man genauer hin, ist jeder Mensch eine Geschichte und Crosby die ganze Welt. Und Olive Kitteridge, eine pensionierte Mathelehrerin, sieht sehr genau hin. Sie kann stur und boshaft sein, dann wieder witzig, manchmal sogar eine Seele von Mensch. Auf jeden Fall kommt in Crosby keiner an ihr vorbei ... Mit liebevoller Ironie und feinem Gespür für Zwischenmenschliches fügt die amerikanische Bestsellerautorin die Geschichten um Olive und Crosby zu einem unvergesslichen Roman.

    Wonneberger: Sprich oder stirb
  • Jens Wonneberger
  • Sprich oder stirb
  • Müry Salzmann 2017
  • ISBN 978-3-99014-155-7
  • € 19.00

An Dramatik nicht überbietbar, erst recht für einen Menschen der Sprache: Inmitten einer Kopfoperation wird der Patient aus der Narkose geweckt, und er muss - damit der Eingriff gelingt - um sein Leben reden. "Sprich oder stirb", heißt der unbedingte Befehl, Wachkraniotomie nennt es die Medizin.
Virtuos portraitiert Jens Wonneberger einen Mann der wenigen Worte, der sich nun dem Erinnerungsstrom hingibt. Von der Kopffolter langsam genesend und seinerseits das Krankenhauspersonal 'sezierend', erzählt Wonnebergers Patient einen humorvollen wie tiefsinnigen Roman lang von seiner grußlosen Flucht aus der Reisegesellschaft in die Berge und von seinem Absturz. Schien ihm der Grund seiner Flucht anfänglich klar, wird er im Lauf der Zeit immer fragwürdiger. Ist er vor seiner Frau Sabine geflüchtet, die die Reise arrangierte, um die Ehe zu retten? Vor den Bildungsbürgern auf Goethes Spuren oder vor Frau Röhrlich, die ihn mit Schreibaufträgen - zum Geldverdienen - bedrängte?
Von körperlicher Tätigkeit und äußerem Einfluss separiert, kreisen seine Gedanken immer wieder um Sabine oder - so sagt er sich - "Denke ich nur so oft an sie, um nicht an mich denken zu müssen?"
In Wonnebergers neuem Roman wird die Aufforderung zum Sprechen zu einer Metapher für die Lebensnotwendigkeit des Erzählens, für den Sinn von Literatur.

    Morsbach: Justizpalast
  • Petra Morsbach
  • Justizpalast
  • Knaus 2017
  • ISBN 978-3-8135-0373-9
  • € 25.00

Thirza Zorniger stammt aus einer desaströsen Schauspielerehe und will für Gerechtigkeit sorgen. Sie wird Richterin im Münchner Justizpalast, doch auch hier ist die Wirklichkeit anders als die Theorie: Eine hochdifferenzierte Gerechtigkeitsmaschine muss das ganze Spektrum des Lebens verarbeiten, wobei sie sich gelegentlich verschluckt, und auch unter Richtern geht es gelegentlich zu wie in einer chaotischen Familie. "Justizpalast" ist ein Roman über die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, über erregte, zynische, unverschämte, verblendete, verrückte, verwirrte und verzweifelte Rechtssuchende sowie überlastete, mehr oder weniger skrupulöse, kauzige, weise, verknöcherte und leidenschaftliche Richter.

    Tellkamp: Die Carus-Sachen
  • Uwe Tellkamp
  • Die Carus-Sachen. Erzählung
  • Edition Eichthal 2017
  • ISBN 978-3-9817066-3-5
  • € 18.00

Endlich - nach sieben Jahren - ein neues Buch von Uwe Tellkamp.
Im Rahmen einer Vater-Sohn Beziehung schildert der Arzt Uwe Tellkamp Leben und Werk seines berühmten Dresdner Vorgängers Carl Gustav Carus : Mediziner, Schriftsteller, Maler und - vor allem - Naturphilospoph.
Der vielfach ausgezeichnete Buchgestalter Andreas Töpfer bettet die Erzählung ein in sein Dresdner Skizzenbuch.
Entstanden ist eine Liebeserklärung an alle Menschen, denen Kultur als Heimat und Schutzraum dient - besonders in Zeiten der Bedrängnis.
(Verlagsinformation)

    Gundar-Goshen: Löwen wecken
  • Ayelet Gundar-Goshen
  • Löwen wecken
  • Kein & Aber 2016
  • ISBN 978-3-0369-5940-5
  • € 13.00

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben - warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft.
Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet. Ein stürmischer Roman, der zeigt, wie zerbrechlich unser geordnetes Leben eigentlich ist.

Buchtipps des Monats - Sommer 2017

    Beyer: Das blindgeweinte Jahrhundert
  • Marcel Beyer
  • Das blindgeweinte Jahrhundert
  • Suhrkamp 2017
  • ISBN 978-3-518-42578-7
  • € 22.95

Ist Literatur im exterministischen 20. Jahrhundert, in dem Tod ein Meister aus Deutschland geworden ist, noch möglich? Ist ihre Daseinsberechtigung entfallen, da nach Auschwitz jede kulturelle Produktion nur Ausdruck der Barbarei sein kann? Ist Literatur gerade wegen der Gräueltaten notwendig, gar unumgänglich? Welcher Verfahren hat sich solche Literatur zu bedienen? Diese Fragen verfolgt der Georg-Büchner-Preisträger des Jahres 2016 in seinen poetischen Untersuchungen und hat eine ebenso knappe wie weitreichende Antwort parat: durch Detailarbeit am Material der Realität wie der Literatur.

Marcel Beyer verfährt bei seinen Erkundungen des Status von Literatur nach dem Ausschlussprinzip: das Radio funktioniert als notwendigerweise eindimensionales Medium; das Kino tritt stets im Gewand der Inszenierung auf und ist bekanntlich genauso manipulierbar wie die Fotografie. Im selben Maße, wie die überlieferten Zeugnisse der Quellenkritik bedürfen, ist für die Dokusoap eine Kritik der in der Regel anmaßenden Zeitzeugen notwendig.
Weit entfernt von jeder Regelpoetik oder den Creative-Writing-Ratschlägen ist die poetische Bilanz, die analytisch, essaysistisch wie erzählerisch verfährt, von Marcel Beyer ernüchternd: eine Literatur ohne Reflexion auf deren Entstehung und zeitgenössischen Tendenzen ist nicht zu haben. Und ist für Marcel Beyer-Leser ermutigend: Dieser Autor beherrscht solche Forderungen der Vergangenheit und der Jetztzeit mit Nachdruck und dem notwendigen Spiel.

    Lehnert: Der Gott in einer Nuß
  • Christian Lehnert
  • Der Gott in einer Nuß. Fliegende Blätter von Kult und Gebet
  • Suhrkamp 2017
  • ISBN 978-3-518-42586-2
  • € 20.00

Über Sinn und Aufbau der kultischen Handlungen und Texte, die als Gottesdienst oder Messe im Zentrum religiöser Praxis des Christentums stehen, ist viel geschrieben und spekuliert worden - meistens in theoretisch-theologischer Absicht. Christian Lehnert, selbst Theologe, wählt für seine Annäherung an dieses Zentralgeschehen des Kults einen besonderen, seinen eigenen Weg: den des Dichters. In der für ihn typischen Gattungsmischung von Reflexion, Schau und Erzählung, bei der die verschiedensten sprachlichen Register von kristallklarer bis hin zu expressiver Prosa gezogen werden, nähert sich Lehnert den feststehenden Formen des kultischen Vollzugs, deren Bedeutung vielen längst verloren ist: Kyrie, Gloria, Glaubensbekenntnis, Abendmahl ...

    Günther: Die Badende von Moritzburg
  • Ralf Günther
  • Die Badende von Moritzburg. Eine Sommernovelle
  • Kindler 2017
  • ISBN 978-3-463-40686-2
  • € 15.00

Eine Novelle wie ein flirrender Sommertag über eine unvergessliche Begegnung mit dem Maler Ernst Ludwig Kirchner und dem Künstlerkreis "Die Brücke".
1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen. Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft. Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien - in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke".

    Winterson: Warum glücklich statt einfach nur normal?
  • Jeanette Winterson
  • Warum glücklich statt einfach nur normal?
  • Fischer TB 2017
  • ISBN 978-3-596-03182-5
  • € 10.99

Mit sechs Monaten wird die Autorin Jeanette Winterson als Waisenkind zu einem kinderlosen Ehepaar in ein nordenglisches Arbeiterstädtchen gegeben. Die Adoptivmutter, eine streng gläubige Pfingstlerin, lebt in ständiger Erwartung der Apokalypse und sperrt Jeanette in den Kohlenkeller. Jeanette flüchtet sich aus der Realität, in der sie leben muss, und stürzt sich in die Lektüre von Büchern. Mit 16 verliebt sie sich in eine Frau und zieht aus. Viele Jahre später trifft sie auf ihre leibliche Mutter und fragt sich, was aus ihr selbst geworden wäre ohne all die Strenge und Freudlosigkeit der Adoptivmutter. Mit bissigem Witz und kraftvoll poetischer Sprache erzählt Winterson ihre Lebensgeschichte. Bewegend, komisch, furchtlos, wahr.

    Meyer: Die stillen Trabanten
  • Clemens Meyer
  • Die stillen Trabanten. Erzählungen
  • S. Fischer 2017
  • ISBN 978-3-10-397264-1
  • € 20.00

Geschichten aus der Nacht: Clemens Meyer ist ein Meister der Kurzgeschichte.

Ein Lokführer, der die Nachtfahrten liebt, bis ein lachender Mann auf den Schienen steht. Ein Wachmann, der seine Runden um das Ausländerwohnheim dreht und sich in die Frau hinter dem Zaun verliebt. Ein Imbissbudenbesitzer, der am Hochhausfenster steht und auf die leuchtenden Trabanten der Nacht schaut. Souverän, rauschhaft und traumwandlerisch sicher erzählt Clemens Meyer von verlorenen Schlachten und überwältigenden Wünschen. Es sind Geschichten aus unserer Zeit, so zerrissen wie unser Leben, so düster wie die Welt, so schön wie die schönsten Hoffnungen.