Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.

Friedrich Nietzsche

Buchtipps des Monats - Sommer 2016

    Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt
  • Ulrike Draesner
  • Sieben Sprünge vom Rand der Welt
  • btb 2016
  • ISBN 978-3-442-71320-2
  • € 11.99

Was es bedeutet, die Heimat zu verlieren.
Ulrike Draesner kreuzt die Lebenswege der schlesischen Grolmanns mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wroclaw vertriebenen Familie. Vier Generationen kommen zu Wort. Virtuos entwirft der Roman ein Kaleidoskop der Erinnerungen, die sich zu immer neuen Bildern fügen. Sie zeigen, wie durch Zwangsmigration zugefügte Traumata sich auswirken, wie seelische Landschaften sich von einer Generation in die nächste weiterstempeln. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Mitreißend und poetisch erzählt die Autorin von den Mühen und Seligkeiten der Liebe zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration.

    Starke: Offene Türen
  • Günter Starke
  • Offene Türen. Wohnen und Leben in der Dresdner Neustadt 1982 bis 1996
  • Mitteldeutscher Verlag 2016
  • ISBN 978-3-95462-732-5
  • € 24.95

Günter Starke gilt als Chronist der Dresdner Neustadt. Seine Bilder des Stadtviertels aus den achtziger und neunziger Jahren zeigen Menschen, Innenräume, Fassaden, Hinterhöfe und mehr. Alle Aufnahmen vermittelten dabei ein Gefühl von "zu Hause". Denn der Fotograf und Mensch Günter Starke erweckt das Viertel zum Leben. Sein Blick fällt in die Mietshäuser, deren Wohnräume, Kinderzimmer, Treppenhäuser, verweilt davor, durchstreift die Straßen, begleitet die Leute auf dem Weg zum
Einkauf, in die Gaststätte ... So sind seine Aufnahmen nicht bloß reine Dokumentation,
sondern vielmehr ein "Sichtbar-Machen" der Lebens- und Wohnumstände eines ganzen Viertels und seiner Bewohner.

    Handke: Vor der Baumschattenwand nachts
  • Peter Handke
  • Vor der Baumschattenwand nachts. Zeichen und Anflüge von der Peripherie, 2007-2015
  • Jung und Jung 2016
  • ISBN 978-3-99027-083-7
  • € 28.00

Kaum ein zweiter Autor hat in den letzten Jahrzehnten die Welt mit so viel Aufmerksamkeit angeschaut wie Peter Handke; und diese Aufmerksamkeit ist Wahrnehmung, die gelten lässt. Sie muss nicht mehr in Sprache übertragen werden, denn sie ist Sprache, der Blick ist das Wort, in dem das Gesehene sich tatsächlich wahrgenommen fühlt.
Immer wieder gelingt es diesem Dichter die Welt so darzustellen, dass sie zur Geltung kommt und sie sich und wir sie erkannt wissen, und immer schon ist ihm das in besonderer Weise in seinen Notiz- und Tagebüchern gelungen. In denen der Jahre nach der Jahrtausendwende hat Peter Handke sich zunehmend darauf eingelassen, seine Beobachtungen in aphoristischen Formulierungen zu bündeln, die für den Leser Anstöße in offenes Gelände sind, wo er im "Karawanenzug der Sätze" der Welt auf ungewohnte und erfrischende Weise begegnet. Der Blick ist das Wort - für keinen Dichter gilt das so wie für Peter Handke, vorzüglich in seinen Notiz- und Tagebüchern.

    Mayer: Die Nähe
  • Eckehard Mayer
  • Die Nähe
  • Stekovics 2016
  • ISBN 978-3-89923-358-2
  • € 14.80

Der Dirigent E.F. Buch ist ein Jahr früher als notwendig in Pension gegangen. Das Theater wollte nicht mehr mit ihm und er nicht mehr mit dem Theater. Er versucht sein Leben neu zu ordnen und zieht in sein ersehntes Traumhaus jenseits der Stadt, wo er vom äußeren Leben abgeschnitten ist. Er ist mit seinem Alleinsein höchst zufrieden. Ein gespenstisches Walderlebnis wird zum Auslöser für einen Aufbruch. Später dirigiert er Opern und Konzerte vor einem imaginären Publikum und gibt Klavier abende, alles in seinem Zimmer. Beim Laufen lernt er Emíl kennen, der Forellen züchtet und sein Freund wird. Und er verliebt sich in Evelyn und wird von ihr geliebt. Viele Tage des Fernseins von ihr lösen sich mit wenigen Stunden leidenschaftlicher Nähe ab. Auf dem Höhepunkt des Glücks steuert alles in die Katastrophe: Das Scheitern scheint endgültig zu sein.

Eckehard Mayer, geboren 1946 in Hainsberg (heute Freital), ist Komponist, Dirigent und Pianist. Seit 2002 ist er auch schriftstellerisch tätig. Eckehard Mayer lebt und arbeitet in Dresden.