Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.

Jean Paul

Buchtipps des Monats - Winter 2015

    Wendt: Das tanzende Häuschen
  • Albert Wendt
  • Das tanzende Häuschen
  • Jungbrunnen 2015
  • ISBN 978-3-7026-5870-0
  • € 12.95

Tine Pelerine ist ein zartes Mädchen. Aber zimperlich ist sie nicht. Ihre Mutter nennt sie tapferzart . Die Mutter arbeitet irgendwo in der Ferne und Tine Pelerines größter Wunsch ist, dass sie endlich zurückkommt. Damit sich dieser Wunsch erfüllt, muss Tine Pelerine einige Tage im tanzenden Häuschen aushalten, sagt der Regenkönig. Dort trifft sie eine prächtige Kamelstute, den großen Bären Brim-Brim, eine Schafherde mit Nachnamen Bel und die Schlimme Hedwig, eine aufgedonnerte Pudeldame. Sie schließt Freundschaft mit der Ginsterkatze Klarinette und wehrt sich gegen Mops Dreibein. Denn nicht alle sind Tine Pelerine wohlgesonnen und manchmal gibt es ja auch mit Freunden Streit.
Es ist nicht leicht, die Tage im tanzenden Häuschen gut zu überstehen, aber Tine Pelerine schafft es und kommt damit der Erfüllung ihres Wunsches ganz nah.

Albert Wendt lebt seit fünfundfünzig Jahren in einem Dorf bei Leipzig. Dort sitzt er unterm Apfelbaum, bei schlechtem Wetter in einem Häuschen daneben, und schreibt Märchen. Seine Freunde ernähren ihn mit Büchern, Käse und saurem Wein.

    Seethaler: Der Trafikant
  • Robert Seethaler
  • Der Trafikant
  • Kein & Aber 2015
  • ISBN 978-3-0369-5909-2
  • € 11.00

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von ihm. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse. Und schon bald werden Franz, Freud und Anezka jäh vom Strudel der Ereignisse mitgerissen.

Robert Seethaler, geb. 1966, erhielt zahlreiche Stipendien, darunter das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste und das Heinrich-Heine-Stipendium. Der Film nach seinem Drehbuch 'Die zweite Frau' wurde mehrfach ausgezeichnet und auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigt. Robert Seethaler lebt in Wien und Berlin.

    Dabit: Hôtel du Nord
  • Eugène Dabit
  • Hôtel du Nord
  • Schöffling 2015
  • ISBN 978-3-89561-166-7
  • € 19.95

Das Hôtel du Nord, ein sogenanntes Wohnhotel, liegt jenseits der großen Boulevards am Quai de Jemmapes im 10. Arrondissement von Paris. Emile und Louise Lecouvreur haben es gepachtet.
"Eine Zigarette im Mundwinkel, schlendert Lecouvreur durchs Viertel ... Immer der gleiche Spazierweg, gemächlich, beruhigend. Die Kulisse von Fabriken, Werkstätten, Fußgängerbrücken, Kippkarren, die beladen werden, dieser ganze Betrieb am Kanal stimmt Lecouvreur fröhlich."
Eugène Dabit kennt das Milieu: 1923 erwerben seine Eltern das Hôtel du Nord, er selber hilft oft als Nachtwächter aus. Die Geschichten seiner einfachen Bewohner faszinieren ihn.
"Nichts Geringeres will der Roman einfangen, als das wahre Leben der kleinen Leute, mit Krankheit und Tod, wechselnden Liebesverhältnissen, kleinen Freuden, die mit vielen Aperitifs und vielen vins rouges begossen werden." (Tilman Krause, Die Welt)
Der Roman endet mit dem Abriss des Hotels - im wahren Leben ist es zum Glück anders: Das Hôtel du Nord steht noch heute und ist nicht zuletzt durch Marcel Carnés Verfilmung des Romans zu einer Kultstätte geworden.

Neu übersetzt von Julia Schoch

    Auster: Winterjournal
  • Paul Auster
  • Winterjournal
  • Rowohlt TB 2015
  • ISBN 978-3-499-25950-0
  • € 10.99

Paul Auster zieht die Bilanz seines intensiven Lebens. Er lässt Liebesbeziehungen Revue passieren: viele zunächst, und dann - dreißig Jahre lang - die eine, große Liebe! Er sinniert über die Kinder, ihr Aufwachsen, ihre Selbstständigkeit. Und spricht über seinen Körper, über die Begegnungen mit dem Tod, über Krankheiten und Süchte - all die Versuchungen, sich dem Verfall, dem Alltag zu entziehen.
Man kommt dem großen Autor, aber vor allem dem Menschen Paul Auster sehr nahe.

Paul Auster, 1947 als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden in Newark, New Jersey geboren, studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971 - 74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in die USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Paul Auster lebt in Brooklyn, New York, ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Er erhielt Stipendien der National Endowment for the Arts (1977 für Lyrik, 1983 für Prosa), den France Culture Prix Etranger (1988) und den Morton Dauwen Zabel Award (1990). 2006 erhielt er den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur.