Wer Bücher schenkt, schenkt Wertpapiere.

Erich Kästner

Buchtipps des Monats - Juli 2009

    Johnson: Thora Meermädchen
  • Gillian Johnson
  • Thora Meermädchen
  • Rowohlt TB 2009
  • ISBN 978-3-499-21521-6
  • € 7.95

Thora ist wahrhaftig ein ungewöhnliches Mädchen: Ihre Beine sind mit schillernden Schuppen besetzt, ihre Füße schimmern lila und unter ihrem lustigen Pferdeschwanz versteckt sich ein kleines Wasserloch. Thoras Zuhause ist ein Boot, ihr Haustier ist ein Pfau - und ihre Mutter eine echte Meerjungfrau! Zehn Jahre lang ist Thora mit ihrer Mutter über alle Weltmeere gereist. Doch nun muss sie allein in der Welt der Menschen zurechtkommen. So will es ein alter Fluch, der auf Thora lastet. Auf den ersten Blick scheint alles ruhig in Thoras Heimathafen Grimli. Doch das verträumte Fischerdörfchen ist fest in der Hand des miesen Immobilienhais Frooty de Mare, der den Ort in eine Hotelhochburg verwandeln will und vor nichts zurückschreckt - noch nicht einmal vor Meerjungfrauen. Als Thoras eigene Mutter in große Gefahr gerät, muss Thora etwas unternehmen. Wie gut, dass sie neue Freunde gefunden hat!

    Sartorius (Hrsg.): Für die mit der Sehnsucht nach dem Meer
  • Joachim Sartorius (Hrsg.)
  • Für die mit der Sehnsucht nach dem Meer
  • Rowohlt TB 2008
  • ISBN 978-3-86648-081-0
  • € 18.00

Das Meer als Meer - die schiere Weite, die endlose, aber auch eintönige Wasseroberfläche - hat die Dichter nicht wirklich inspiriert. Die Phantasie entzündete sich an den wechselnden Horizonten, an der beweglichen Linie zwischen Wasser und Land, an den unberechenbaren Stimmungen, an Ruhe und Sturm. Das Unermessliche selbst war eher Projektionsfläche für Sehnsüchte, diente als Metaphernspeicher für den Ursprung, das Offene, das Abgründige, auch für das Glück über den Abgründen. Es waren die Romantiker, die das Meer zum Ort der Selbstentdeckung machten, Bilder und Klischees prägten, die bis heute fortwirken: Das Meer als Meer der Gefühle. In ihrem Gefolge haben die Psychologen die Anziehung des Meeres damit erklärt, dass es ein Spiegel der Seele sei. Das harrt noch der Forschung. Wir sind geängstigt und fasziniert zugleich. Das findet sich in vielen Meeresgedichten wieder, gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert, bei Herman Melville und Walt Whitman, die das Dämonische und Unergründliche der See zu einer Zeit sangen, da wir noch nicht über die Ozeane fliegen konnten und diese Ozeane die Strategien der menschlichen Bewegung und Imagination vorzeichneten. Selbst heute, trotz der Domestizierung der Küsten und eines globalisierenden Strandlebens, bleibt das Meer Mysterium. Die Faszination des Elementaren hält an. «Alles ist Ufer. Ewig ruft das Meer», dichtete Gottfried Benn und meinte mit dieser Formel die Anziehungskraft des Offenen, des Ungebundenen für uns Beschränkte und Eingeschränkte.

    Eich: Das steinerne Meer
  • Clemens Eich
  • Das steinerne Meer
  • Fischer TB 2008
  • ISBN 978-3-596-17911-4
  • € 9.95

Im Schatten des Steinernen Meers, einem gewaltigen Gebirgszug an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland, liegt Muna. Dort pflegt der zwölfjährige Valentin seinen Großvater. Während der Großvater Bilanz zieht, muß sich der Enkel auf sein Leben vorbereiten. Eindringlich beschreibt Eich die Sehnsüchte zweier Menschen, die sich um Orientierung bemühen. Der Held im "Steinernen Meer", ein im Bett fiebernder Junge mit furchtbarem Ausschlag an den Füßen, fantasiert von den anstehenden Olympischen Spielen in Innsbruck, träumt davon, Erster im Abfahrtslauf zu werden. Die Eltern sind fort, in Sizilien, und er ist allein mit seinem sterbenden Großvater, dessen bedrohlicher Vergangenheit und der Gegenwart einer abgeschiedenen Bergwelt, in der den Menschen das Leben abhanden zu kommen scheint.

Clemens Eich wurde 1954 in Rosenheim als Sohn von Ilse Aichinger und Günter Eich geboren. Nach der Schauspielschule in Zürich hatte er Engagements in Landshut, Frankfurt und Wien. 1996 erhielt er den Hamburger Mara-Cassens-Preis zuerkannt. Clemens Eich starb 1998 infolge eines Unfalls.