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Erich Kästner

Unsere Empfehlungen: Lyrik

    Maloney: Eine leere Tasse / Empty Cup
  • Dennis Maloney
  • Eine leere Tasse / Empty Cup
  • Hans Schiler Verlag 2017
  • ISBN 978-3-89930-014-7
  • € 18.00

Die Gedichte bewegen sich von einer leeren Tasse, die mit Schönheit zum Verweilen verführt, zu einer leeren Tasse, die inspiriert, gefüllt zu werden, und anschließend ihren Inhalt dem Leser präsentiert, nur um von ihm wieder geleert und mit seinen Erinnerungen und eigenen Gedanken aufs Neue gefüllt zu werden - mit flüchtigen Bekanntschaften und tiefen Freundschaften, mit dem Rhythmus von Verlust und Gewinn, mit der Einsicht in die Welt wie sie ist und dem Wunsch nach mehr Fairness und Freiheit.
"Die neuen Gedichte von Dennis Maloney, die ich übertrug, waren ganz anders als die, die ich von 'Just enough' kannte. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr nordamerikanisch waren, sehr 'westlich'. Selbst wenn sie von fernöstlichen Traditionen sprachen, wiesen sie jede Versöhnung ab, trugen einen Schmerz von Ungelöstem, rangen nach notwendigen Veränderungen. Die Stimme des Vaters aus der Arbeiterklasse ist dort nicht weniger wichtig als Philosophie und Meditation; die Räume zwischen den Häusern der Kindheit sind breit und frei wie die Weite ferner Landschaften." (Tzveta Sofronieva)

    Bobrowski: Gesammelte Gedichte
  • Johannes Bobrowski
  • Gesammelte Gedichte
  • DVA 2017
  • ISBN 978-3-421-04762-5
  • € 34.99

Als im Februar 1961 Johannes Bobrowskis erster Gedichtband "Sarmatische Zeit" erschien, hatte der Schriftsteller nur noch wenige Jahre zu leben. Doch die knappe Zeit reichte ihm aus, um sich bis zu seinem Tod 1965 als einer der suggestivsten und bildkräftigsten Lyriker der deutschen Nachkriegsjahrzehnte zu etablieren. Obwohl in der DDR lebend, stießen seine Texte in beiden Teilen Deutschlands auf Anerkennung: Man machte in ihnen eine neue Art aus, sich zur Welt zu verhalten; seine Themen und Sprachgesten fanden in Lyrik und Prosa anderer Autoren ein vielfältiges Echo.
Inzwischen ist sein Werk weltweit verbreitet und in fast alle europäischen Sprachen übersetzt. Am 9. April 2017 jährt sich der Geburtstag des Schriftstellers zum 100. Mal. Zu diesem Anlass bringt die DVA die Gedichte Johannes Bobrowskis neu in einem Band heraus, ergänzt durch ein Nachwort des vielfach preisgekrönten Literaturkritikers Helmut Böttiger.

    Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt
  • Selma Meerbaum-Eisinger
  • Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte
  • Hoffmann und Campe 2016
  • ISBN 978-3-455-40573-6
  • € 15.00

Als Selma Meerbaum-Eisinger, eine entfernte Cousine Paul Celans, 1942 mit nur 18 Jahren starb, hinterließ sie ein Stück Weltliteratur. Lange waren die Gedichte verschollen, bevor sie 1980 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Ihre Liebesgedichte für einen Freund, der später auf der Flucht nach Palästina ums Leben kam, haben ihre Anziehungskraft bis heute nicht verloren und sind aus dem deutschen Literaturkanon nicht mehr wegzudenken. Jürgen Serke zeichnet die Etappen dieser literarischen Entdeckung nach.

    Braun: Lyrik-Taschenkalender 2017
  • Michael Braun
  • Lyrik-Taschenkalender 2017
  • Wunderhorn 2016
  • ISBN 978-3-88423-527-0
  • € 16.80

Was will ein Gedicht? Was kann es? Welche Sprache spricht es im 21. Jahrhundert, in dem alle Redeweisen und Artikulationsmodi zwischen Tradition und Avantgarde längst durchgespielt sind?

Die Rezeptur, die Hans Magnus Enzensberger vor einem halben Jahrhundert entwickelt hat, ist immer noch gültig: „Die Sprache ist durch die ganze Temperaturskala von der äußersten Hitze bis zur extremen Kälte zu jagen, und zwar möglichst mehrfach. Zwischen Hyperbel und Andeutung, Übertreibung und Understatement, Ausbruch und Ironie, Raserei und Kristallisation, äußerste Nähe zum glühenden Eisen des Gegenstandes und äußerste Entfernung von ihm fort zum Kältepol des Bewußtseins ist die Sprache einer unausgesetzten Probe zu unterziehen.“ Ein Ort für solche sprachlichen Entzündungsprozesse und Zerreißproben ist der Lyrik-Taschenkalender, ein poetisches Gemeinschaftsunternehmen. Der Lyrik-Taschenkalender 2017 webt wie seine kalendarischen Vorgänger ein Netz aus Gedichten, poetischen Korrespondenzen und Kommentaren. 17 Dichterinnen und Dichter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und ein „Special guest“ haben jeweils zwei Lieblingsgedichte deutscher Sprache ausgewählt und kompakt kommentiert. Der Herausgeber stellt seinerseits gemeinsam mit dem Lyriker und Essayisten Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem exemplarischen Gedicht vor.
(Verlagsinformation)

    Krause: Um die Dinge ganz zu lassen
  • Thilo Krause
  • Um die Dinge ganz zu lassen. Gedichte
  • Poetenladen 2015
  • ISBN 978-3-940691-62-0
  • € 17.80

Nach seinem vielgelobten Lyrik-Debüt, das mit dem Eidgenössischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, legt Thilo Krause nun seinen zweiten Gedichtband im poetenladen Verlag vor: "Um die Dinge ganz zu lassen". In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Woher und Wohin entwirft er ein Album von Personen, Orten und Zeiten über Ländergrenzen hinweg. Scheinbar nebensächliche Alltagsbeobachtungen öffnen poetische Räume philosophischer Dimension, wobei die Mannigfaltigkeit der Bezüge von Basho über Wallace Stevens bis Seamus Heaney selbstverständlich mitschwingt. "Es sind Schlaglichter mit Tiefenperspektive, aber ohne Tremolo. Schlicht gesagt: Krauses Gedichte sind umwerfend schön und bestechend klug. Sie erzählen von den grossen Fragen, während sie aufs Kleine schauen", so die Literaturkommission Zürich, die den Autor für das Manuskript mit einem Werkjahr auszeichnete.Nach seinem vielgelobten Debüt, das mit dem Eidgenössischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, legt Thilo Krause nun seinen zweiten Gedichtband im poetenalden Verlag vor: Um die Dinge ganz zu lassen. Scheinbar nebensächliche Alltagsbeobachtungen öffnen poetische Räume philosophischer Dimension, wobei die Mannigfaltigkeit der Bezüge von Basho über Wallace Stevens bis Seamus Heaney selbstverständlich mitschwingt. "Schlicht gesagt: Krauses Gedichte sind umwerfend schön und bestechend klug", so die Literaturkommission Zürich.

    Sielaff: Glossar des Prinzen
  • Volker Sielaff
  • Glossar des Prinzen. Gedichte
  • Luxbooks 2015
  • ISBN 978-3-945550-10-6
  • € 19.00

Der Bogen ist weit gespannt: eine große formale und thematische Vielfalt trägt die Gedichte des neuen Buches von Volker Sielaff. Landschaften und Orte, philosophische Zahlengedichte, Liebesgedichte und surrealistische Imaginationen - ein großer Raum poetischer Möglichkeiten wird hier durchschritten. Phantasiefiguren und Realien treffen im "Glossar des Prinzen" aufeinander. Sielaff versichert sich zwar der Tradition, geht jedoch auch ins Offene, stets der eigenen Tonspur folgend. Seine Leser werden den Sielaff-Ton durchhören und viel Neues entdecken.

"Sielaff kann kein Kunstgewerbe, er wiederholt sich nicht in „Gelungenheiten“ und Geschicktem. In seinen dreizehn Liedern schlägt er wie noch nie gehört einen Kinderliederreime-Rhythmus an, der uns wiegt, der uns mit nichts betrügt. Und durch diesen Rhythmus drängen seine Motive: Sprache, Dichtung, Widerstand, die Alten Meister, Verschwendung, Truglosigkeit. Es ist erstaunlich, zu welch formaler Strenge Sielaff in seinen jüngeren Gedichten gefunden hat. Alexandriner, Binnenreime und Strophen, Strophen über Strophen. Aber in diesen Formen, aus diesen Formen heraus begegnet uns ein Dichter, der vielseitiger geworden ist: schelmisch, wütend, komisch, verspielt, komplex." Hauke Hückstedt

    Beck: Das Skelett des Moments
  • Patrick Beck
  • Das Skelett des Moments
  • BUCH & media 2015
  • ISBN 978-3-86906-722-3
  • € 11.00

Zwischen Gedichten, Prosa und Philosophie bewegen sich die im Das Skelett des Moments abgedruckten Texte. Keiner Gattung zuzuordnen, hat Patrick Beck sie »Imaginäre Orte« getauft. Tomas Gärtner nannte sie in den Dresdner Neuesten Nachrichten »sehr feinsinnige Beobachtungen des Unsichtbaren«. Der Autor Michael G. Fritz schrieb, dass der Leser an Orte geführt werde, »die er noch nie gesehen, von denen er aber geahnt hat, dass es sie gibt, vielleicht auch nur in ihm selbst. Jede Begegnung mit diesen Orten ist deshalb auch eine Begegnung des Lesers mit sich selbst.«

    Szymborska: Glückliche Liebe und andere Gedichte
  • Wislawa Szymborska
  • Glückliche Liebe und andere Gedichte
  • Suhrkamp TB 2014
  • ISBN 978-3-518-46558-5
  • € 8.00

Kurz vor ihrem Tod im Februar 2012 hat die polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska mit ihrem deutschen Übersetzer Karl Dedecius noch einen Gedichtband zusammengestellt, der auf Deutsch erscheinen sollte. Diese Auswahl von Gedichten aus den Jahren 2005 bis 2011 ist zu ihrem Vermächtnis geworden.

"Glückliche Liebe. Ist das normal,
ernst zu nehmen, ist das nützlich -
was hat die Welt von zwei Menschen,
die die Welt nicht sehen?
... "

    Wagner: Regentonnenvariationen
  • Jan Wagner
  • Regentonnenvariationen. Gedichte
  • Hanser Berlin 2014
  • ISBN 978-3-446-24646-
  • € 15.00

Der Garten, in dem die Regentonne steht, ist phantastisch weit, reich und offen - eine Welt. In diesem Lyrikband geht es in die Natur mit all ihren kunstvollen Variationen des Lebens. Jan Wagner lässt den Giersch schäumen, dass einem weiß vor Augen wird, nimmt Weidenkätzchen und Würgefeige, Morchel und Melde, Eule, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt ran, überblendet assoziativ, bis der Blick sich weitet und man weiß, für einen Augenblick zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein. Es ist immer wieder ein Wunder, wie es diesem Lyriker gelingt, Bilder zu schaffen, die in einem Halbvers Stimmungen heraufbeschwören - bis längst Vergessenes oder nie Gesehenes vor Augen steht.

Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Er ist Lyriker, Übersetzer englischsprachiger Lyrik, freier Rezensent (Frankfurter Rundschau u.a.) sowie bis 2003 Mitherausgeber der internationalen Literaturschachtel Die Aussenseite des Elementes. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften.
2009 erhielt er das Stipendium des Lessing-Preises, 2011 wurde er mit dem "Kranichsteiner Literaturpreis" und dem "Friedrich-Hölderlin-Preis" ausgezeichnet und 2013 mit dem "Paul Scheerbart-Preis" für seine sprachliche Präzision und sein Feingefühl für den hintersinnigen Witz der Lyrik des Briten Simon Armitage. 2014 erhielt Jan Wagner den "Mörike-Preis" für seinen "Nie versiegenden Einfallsreichtum".

    Skacel: Fährgeld für Charon
  • Jan Skacel
  • Fährgeld für Charon. Gedichte
  • Merlin Verlag 2014
  • ISBN 978-3-87536-093-6
  • € 18.00

Jan Skácel ist ein Dichter aus Mähren. Trakl und Huchel sind seine Vorbilder. 1989 erhielt er den Petrarca-Preis. Helmuth de Haas schreibt 1967 anläßlich der ersten Auflage von "Fährgeld in Charon" in der "Welt der Literatur": "Jan Skácel ist ein hellsichtiger, bildkräftiger Poet... Er hat die äußerste Verkürzung von abstrakter und konkreter Wirklichkeit erreicht und blickt zufrieden wie ein Kormoran; mehr nicht, mehr gibt es nicht. Mehr muß denn auch nicht sein ...."

    Lehnert: Windzüge
  • Christian Lehnert
  • Windzüge. Gedichte
  • Suhrkamp 2014
  • ISBN 978-3-518-42469-8
  • € 18.00

"Doch das fließende Grenzgebiet, Wirklichkeit, wo ist's?"

In der kompakten Form acht- und zwölfzeiliger Gedichte hatte Christian Lehnert seine "Pneumatologie" einer spirituellen Naturerfahrung zuletzt verdichtet (Aufkommender Atem, 2011), und mit derselben Form setzt er in seinem neuen, sechsten Gedichtband wieder an. Konsequent aber wächst die Form diesmal gegen die minimalistische Verdichtung auf, über Sonette hin zu dynamischen Zeilen und Strophen voll hexametrischer Rhythmen. Die Weitung der Form bedeutet zugleich eine Annäherung an größere Formationen der Wirklichkeit. Das Gedicht bewegt sich über die Erfahrung von Landschaft und Kulturnatur zielstrebig hinaus, arbeitet sich auf Schotter und Gleisen voran, passiert Transportmittel, Maschinenparks, Depots und Halden, durchquert Brachen und steuert durch Kanäle und Schleusen in Richtung eines vorerst imaginär bleibenden Stadtkerns. Wie die Mitte selbst aber erreichen? In einer Coda reißt Lehnert diese Frage mit drei Langgedichten zu drei Worten Martin Luthers als Sprachproblem auf: Dichtung als ein unablässiges Ringen um solche Worte und damit um den Zugang zur Mitte - ein unabschließbarer Versuch, doch ermutigt durch den festgegründeten Satz: "Solange ich Atem hole, ist Zeit."

Christian Lehnert, geboren 1969 in Dresden, studierte Religionswissenschaften, Orientalistik und Theologie. Nach dem Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem lebt er in Dresden und Berlin; 1995 erhielt er den Förderpreis zum Leonce- und Lena-Preis.

    Rilke: Die Gedichte
  • Rainer-Maria Rilke
  • Die Gedichte. Rilkes lyrisches Werk in einem Band
  • Insel Verlag 2014
  • ISBN 978-3-458-17333-5
  • € 20.00

Rainer Maria Rilke hat mit seiner Lyrik ein Werk geschaffen, das in seiner Gesamtheit zum Grundbestand der deutschen Literatur gehört und zugleich, über die Zeiten hinweg, populär geblieben ist. Seine Texte sind ein nicht abreißender poetischer Gedankenstrom um die großen Fragen der Menschheit, und die Eleganz und die Widerständigkeit ihrer Sprache machen sie, einmal gelesen, zu Lebensbegleitern, die einen immer wieder wie eine geliebte Melodie gefangennehmen. Die Ausgabe wird ergänzt durch eine ausführliche Zeittafel, die einen raschen Überblick über Rilkes Leben und Werk erlaubt.
Den Band eröffnet das erste überlieferte Gedicht des achtjährigen René, und er schließt mit seinem letzten, auf dem Sterbebett verfaßten Gedicht. In bisher unerreichter Vollständigkeit werden Rilkes sämtliche Gedichte der Reifezeit geboten und von den Jugendgedichten all jene, die von Rilke zu Zyklen zusammengestellt wurden.

    Lasker-Schüler: Denk dir ein Wunder aus
  • Else Lasker-Schüler
  • Denk dir ein Wunder aus
  • Insel Verlag 2014
  • ISBN 978-3-458-19394-4
  • € 13.00

Berlin 1912: Im Romanischen Café sitzen die Künstler, die Berliner Boheme. Else Lasker-Schüler gehörte berühmt-berüchtigt dazu. Sie hat wieder einmal Liebeskummer; ihr Mann Herwarth Walden hat sich von ihr getrennt und ist nach Norwegen gereist. Sie schreibt Briefe an den "lieben Nordpolforscher", sie schreibt Gedichte, sie macht ihre Verlassenheit zu einem Spiel, macht ihre Zeitgenossen zu Mitspielern, was denen gar nicht gefällt. Ihr ist das egal.
Die hier ausgewählten Briefe und Gedichte erzählen vom Berliner Künstlerleben, vom Café des Westens, wo sich die literarische Boheme versammelt und sich die Freunde treffen, und sie beschreiben nicht zuletzt das Leben einer radikalen Dichterin, die sich als Künstlerin behaupten muss.
Für die Schauspielerin Angela Winkler, die mit dieser Textrevue aufgetreten ist, ist die unbeugsame Dichterin immer wieder eine Entdeckung: "eine Energiequelle, ein Paradiesvogel! Von denen gibt es nicht viele".
"Die Rosen fliegen mir aus dem Haar
Und mein Leben saust nach allen Seiten,
So tanz ich schon seit tausend Jahr,
Seit meiner ersten Ewigkeiten."

    Altmann: Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so
  • Andreas Altmann
  • Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so. Gedichte
  • Poetenladen 2014
  • ISBN 978-3-940691-52-1
  • € 17.80

Andreas Altmann lässt in diesem Gedichtband die Magie in den Worten aufscheinen. Die Natur und die sich darin spiegelnden geis tigen Dimensionen werden zu einem schwebenden Spiel aus Melodik und Rhythmik. Dabei entgehen dem Blick nicht die zivilisatorischen Brachen, leere Fabrikhallen oder still gelegte Bahnhöfe, geborstener Beton, Rudimente einer vergessenen Zeit und Indizien einer Vergangenheit, die Teil des Naturbildes werden. Die magische Schönheit verdankte sich der Intensität der Bilder, so schrieb die FAZ.

Andreas Altmann wurde 1963 in Hainichen (Sachsen) geboren. Von 1993 bis 1996 absolvierte er ein sozialpädagogisches Studium und arbeitete als Schriftsetzer, Orchesterwart und Betreuer geistig behinderter Menschen. Andreas Altmann veröffentlichte mehrere Gedichtbände. Er wurde unter anderem mit dem "Christine-Lavant-Lyrikpreis", dem "Erwin-Strittmatter-Preis", der "Schiller-Ehrengabe" sowie dem "Literaturpreis" des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Andreas Altmann lebt in Berlin.

    Beyer: Graphit
  • Marcel Beyer
  • Graphit. Gedichte
  • Suhrkamp 2014
  • ISBN 978-3-518-42440-7
  • € 21.95

Endlich: Marcel Beyer legt einen neuen Gedichtband vor. Mit dem Titel ist der Hinweis auf die motivische Klammer gegeben: Materialität. Dinge, ob Blume, ob Feder, ob Scheiße oder Abendland, die sich bei den Kollegen aus allen Zeiten finden und neu integrieren lassen; die Körnung der unterschiedlichsten alltäglichen wie politischen Stimmen. Solche Mehrstimmigkeit ist für Marcel Beyer das einzig wirksame Gegengift gegen den ganzen monolithischen, den fanatischen, den faschistischen und chauvinistischen Schwachsinn in der Poesie und das Reden darüber.
Materialität als unterscheidendes Merkmal der anderen Künste, deren Echowirkung diese Gedichte einfangen: das von Photographien angeregte Schreiben, das Schreiben mit der Perspektive, dass ein entstehendes Gedicht von einer fremden Stimme vorgetragen werden wird, und dazu gesungen.

    Dabrowski: Die Bäume spielen Wald
  • Tadeusz Dabrowski
  • Die Bäume spielen Wald. Gedichte
  • Hanser 2014
  • ISBN 978-3-446-24664-5
  • € 15.90

Was ist die Gegenwartslyrik? Tadeusz Dabrowski vergleicht sie mit einer Fledermaus, die in Dachkammern wohnt, am Tag schläft und in der Nacht jagt. "Früher glaubte man, sie nähre / sich von Menschenblut, aber sie / ist mit einer Fliege zufrieden, / mit einem Maikäfer oder Falter." Die Dichtung muss sich in der Gegenwart also ihre Existenz und ihr Geheimnis selber erarbeiten. Die Art und Weise, wie Dabrowski das tut, ist wunderbar: witzig und klug, ironisch, philosophisch und immer überraschend betrachtet der junge Lyriker aus Polen die Welt. Und die Welt entdeckt diesen Dichter in der Übersetzung von Renate Schmidgall als einen ihr angemessenen Porträtisten.

Tadeusz Dabrowski, geboren 1979 in Elblag, Polen, hat fünf Gedichtbände und eine einflussreiche Anthologie zur jungen Gegenwartslyrik Polens veröffentlicht. Er gehört zu den angesehensten Dichtern seines Landes. Seine Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. In Deutschland gewann er 2008 den Hubert Burda Preis für junge Lyrik, zahlreiche Publikationen in deutschen Zeitschriften (u. a. Akzente, EDIT, Sprache im technischen Zeitalter) folgten. 2009 wurde ihm einer der wichtigsten und ältesten polnischen Literaturpreise, der Kocielski-Preis, verliehen. Zbigniew Herbert, Adam Zagajewski, Wislawa Szymborska und Andrzej Stasiuk gehören zu den Preisträgern der vergangenen Jahre. Dabrowski lebt in Danzig und arbeitet als Redakteur der Literaturzeitschrift Topos.

    Tarkowski: Reglose Hirsche
  • Arsenij Tarkowski
  • Reglose Hirsche. Ausgewählte Gedichte
  • Edition Rugerup 2014
  • ISBN 978-3-942955-40-9
  • € 19.90

Die Pappel entläßt ihre Flocken, tropfenschwerer Tau, ein Kügelchen Flüssigkeit im Leib des Falters und das Wort, das durch die Steppe streift mit Arsenij Tarkowskis Poesie schlagen wir das Buch der ewigen Wunder auf und treten ein in den "weißen, weißen Tag". Traum und Wirklichkeit, Sinn, Vergeblichkeit und das Ewige, die Erinnerung an die Kindheit und an eine geheime Liebe, an "jene, die er zärtlich und unglücklich liebte" das sind Themen des bedeutenden russischen Dichters Arsenij Tarkowski (1907-1989). Weltweite Bekanntheit erlangte er durch die Filme seines Sohnes, des russischen Filmregisseurs Andrej Tarkowski, der in seinen Filmen einzelne Gedichte zitiert. In der Edition Rugerup erscheint erstmals eine zweisprachige Auswahl aus dem umfangreichen Werk in neuer Übertragung.

Herausgegeben und Übersetzung: Martina Jakobson

    de Angelis: Alphabet des Augenblicks
  • Milo de Angelis
  • Alphabet des Augenblicks. Gedichte
  • Hanser 2013
  • ISBN 978-3-446-24321-7
  • € 14.90

Milo De Angelis ist eine der großen Stimmen der zeitgenössischen Lyrik in Italien. Illusionslos und melancholisch erzählt er voller Demut vom einfachen Leben in den Vororten von Mailand, vom flüchtigen Einklang der Menschen mit der Welt. Schemenhafte Figuren sprechen in einem Auto, einer Trambahn oder einem Bahnhof miteinander, Paare, die sich meist missverstehen, vor dem Hintergrund urbaner Landschaften mit ihren Bars, Fußballfeldern und neonbeleuchteten Kiosken. De Angelis, der hier eine Auswahl seiner besten Gedichte vorstellt, weiß, dass die Poesie selbst nur ein "Talisman des Nichts" ist, die es dennoch zu behaupten gilt.

    Achmatowa: Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne
  • Anna Achmatowa
  • Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne. Liebesgedichte
  • Insel Verlag 2013
  • ISBN 978-3-458-20003-1
  • € 15.00

Über den Dichter Nikolaj Gumilijow, der ihr erster Ehemann werden sollte, sagte sie: "Ob ich ihn liebe, weiß ich nicht, aber ich glaube es." Über ihr Heimatland, in dem ihre Gedichte jahrzehntelang nicht gedruckt, ihre Angehörigen verbannt und ermordet wurden, sagte sie: "Ich kenne überhaupt kein Land, in dem man Gedichte mehr lieben würde als in unserem und wo man sie mehr brauchen würde als bei uns." Anna Achmatowa ist die berühmteste Dichterin der UdSSR und Russlands geworden, verehrt von ihren Lesern, hochgeschätzt von den Kolleginnen und Kollegen. Der vorliegende Band versammelt ihre hundert schönsten Liebesgedichte. Sie handeln von Freude und Leid, Erwartung und Enttäuschung, Erfüllung und Traum: "Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne." Jutta Bauer hat die Anthologie mit ihren unverwechselbaren Illustrationen zu einem idealen Geschenkbuch für gegenwärtige und zukünftige Liebende gestaltet.

    Jandl: Einer raus, einer rein
  • Ernst Jandl
  • Einer raus, einer rein. Die schönsten Gedichte
  • Wagenbach 2013
  • ISBN 978-3-8031-1238-5
  • € 14.00

Ernst Jandl, geb. 1.8.1925 in Wien, Studium der Germanistik und Anglistik, Promotion 1950, langjährige Tätigkeit als Gymnasiallehrer, lebte in Wien. Seit 1954 Freundschaft und Zusammenarbeit mit Friederike Mayröcker. Er erhielt unzählige literarische Auszeichnungen, darunter den Peter-Huchel-Preis (1990), das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1990), den Kleist-Preis (1993), den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (1995) sowie den Georg-Büchner-Preis (1984). Ernst Jandl ist im Jahr 2000 gestorben.

    Szymborska: Hundert Freuden
  • Wislawa Szymborska
  • Hundert Freuden. Gedichte
  • Suhrkamp TB 2013
  • ISBN 978-3-518-39089-4
  • € 10.00

Wislawa Szymborska, "die Erste unter den Lyrikerinnen Polens" (Julian Przybos), studierte in Krakau polnische Philologie und Soziologie. 1952 erschien ihr erster Gedichtband. Sie ist Preisträgerin der Stadt Krakau (1955). 1991 erhielt sie den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, 1995 den Herder-Preis. 1996 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet - für eine Poesie, die mit ironischer Präzision den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten läßt. Wislawa Szymborska verstarb 2012 in Krakau.

    Jurjew: In zwei Spiegeln
  • Oleg Jurjew
  • In zwei Spiegeln. Gedichte
  • Jung und Jung 2012
  • ISBN 978-3-99027-022-6
  • € 22.00

Große Wunderwerke aus Sprachgewalt und Zartheit sind die Romane von Oleg Jurjew. Dass seine in der russischen Heimat hoch gepriesenen Gedichte bisher kaum auf Deutsch zu lesen waren, ist ein editorischer Mangel, der jetzt endlich behoben wird. Der Band "In zwei Spiegeln" versammelt Gedichte aus über dreißig Jahren, er zeigt Oleg Jurjews poetische Weltvermessung zwischen Bitterkeit und Ironie, zwischen dem Erhabenen und dem Alltäglichen und nicht zuletzt zwischen den Lebensstationen Leningrad und Frankfurt. Virtuos bewegen sich die Gedichte durch Stile und Zeiten, sie rufen russische Lyriker als literarische Kronzeugen auf und gewinnen bei alledem eine ganz eigene Sprache. Über uns das "versteinerte Delta" des Himmels, neben uns die "Kampfkutsche Hummel" oder die "blassen Bajonette" der Bäume. Wenn Oleg Jurjew über die Natur, die Kunst oder die Geschichte schreibt, dann schimmern seine Metaphern metaphysisch, um sich am Ende doch keinen Illusionen hinzugeben. Dass Oleg Jurjews "In zwei Spiegeln" gleich noch einmal gespiegelt wird, verdankt sich großartigen Übersetzern wie Olga Martynova, Elke Erb und Gregor Laschen, die ihrerseits Dichter sind.

    Neruda: Liebesgedichte
  • Pablo Neruda
  • Liebesgedichte
  • Luchterhand 2012
  • ISBN 978-3-630-62040-4
  • € 10.00

Die Verse der Kapitäns«, »Zwanzig Liebesgedichte« und »Der rasende Schleuderer« sind die drei wichtigsten Liebesgedichtzyklen im Werk des Nobelpreisträgers Pablo Neruda. Sie werden hier in einer vollständigen zweisprachigen Werkausgabe vorgelegt.

    Szymborska: Glückliche Liebe und andere Gedichte
  • Wislawa Szymborska
  • Glückliche Liebe und andere Gedichte. Gedichte
  • Suhrkamp 2012
  • ISBN 978-3-518-42314-1
  • € 18.95

"Szymborska ist ein Phänomen der Unwiederholbarkeit, ganz gleich, ob wir die Trauer, den Tiefsinn oder den wunderbaren Humor ihrer Gedichte auf uns wirken lassen", sagte Karl Dedecius, der Freund und Übersetzer der Dichterin. Den staunend-ungläubigen Blick auf das Leben, jenes Spiel mit ungelernten Regeln ihn hat sie bis zuletzt in jedem Gedicht neu ausprobiert. Aus den Kinderfragen nach dem Hier und Anderswo, nach dem Gewesenen und dem Möglichen formt sie Gebilde von berührender Aufrichtigkeit. Der Band mit Gedichten aus den Jahren 2005 bis 2011 wurde noch mit Wislawa Szymborska zusammen geplant. Nun ist er zu ihrem Vermächtnis geworden.

Wislawa Szymborska, "die Erste unter den Lyrikerinnen Polens" (Julian Przybos), studierte in Krakau polnische Philologie und Soziologie. 1952 erschien ihr erster Gedichtband. Sie ist Preisträgerin der Stadt Krakau (1955). 1991 erhielt sie den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, 1995 den Herder-Preis. 1996 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet - für eine Poesie, die mit ironischer Präzision den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten läßt. Wislawa Szymborska verstarb 2012 in Krakau.

    Becker: Fasernackte Verse
  • Kerstin Becker
  • Fasernackte Verse. Gedichte
  • Fixpoetry 2012
  • ISBN 978-3-942890-11-3
  • € 12.00

Kerstin Beckers sind poetische Brenngläser, die ins Innere zeigen, in ein verdrehtes, modernes Leben.
Kerstin Becker, geboren 1969 in Blumenberg (Saale), schreibt Gedichte, Prosa und Kindertexte. Sie lebt in Dresden.

    Krause: Und das ist alles genug
  • Thilo Krause
  • Und das ist alles genug. Gedichte
  • Poetenladen 2012
  • ISBN 978-3-940691-39-2
  • € 16.80

Thilo Krause legt mit "Und das ist alles genug" sein Debüt in der Reihe Neue Lyrik (Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) vor. "Still, unaufgeregt sind die Gedichte von Thilo Krause dem Alltag auf der Spur", so schrieb Raoul Schrott. Es sind Texte, die sich ohne viel Gepäck auf den Weg machen, Geschichten in Verlangsamung, genauso schnörkellos wie überraschend. Thilo Krause genügt es, sich an die alltäglichen Dinge zu halten, sie heraufzuholen und leuchten zu lassen. In Thilo Krauses Gedichten finden sich Naturerleben und Landschaften gespiegelt, die wiederum den Resonanzraum für Reflexionen und Erinnerungen bilden.Mit "Und das ist alles genug" legt Thilo Krause sein Debüt in der Reihe Neue Lyrik (Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) vor. "Still, unaufgeregt sind die Gedichte von Thilo Krause dem Alltag auf der Spur", so schrieb Raoul Schrott. Es sind Texte, die sich ohne viel Gepäck auf den Weg machen, Thilo Krause genügt es, sich an die alltäglichen Dinge zu halten, sie heraufzuholen und leuchten zu lassen.

    Zagajewski: Unsichtbare Hand
  • Adam Zagajewski
  • Unsichtbare Hand. Gedichte
  • Hanser 2012
  • ISBN 978-3-446-23990-6
  • € 14.90

Nach Jahren des selbstgewählten Pariser Exils ist Adam Zagajewski nach Polen zurückgekehrt, in seine alte Heimat Krakau, die Stadt süßer Kuchen,/ bitterer Schokolade und schöner Beerdigungen . Dennoch ist ihm die Unruhe, die den Wanderer antreibt , geblieben. In seinen Gedichten ist Zagajewski immer unterwegs: Ob er den Flug der Mauersegler beobachtet oder seinen alten Vater, der das Gedächtnis verloren hat, ob er von der Natur oder Geistigem spricht, von Enthusiasmus oder Melancholie. Die Dichter bauen ein Haus für uns - doch sie selbst/können darin nicht wohnen , schreibt er am Ende dieser persönlichen Auswahl seiner besten Gedichte aus den letzten zehn Jahren.

    Rosenlöcher: Hirngefunkel
  • Thomas Rosenlöcher
  • Hirngefunkel. Gedichte
  • Insel 2012
  • ISBN 978-3-458-19369-2
  • € 13.95

Die Kindheit ist eine notwendige Bedingung des Staunens. Ist sie erst vorüber, fällt es schwer, sich der Routine des Alltags zu entziehen. In den Gedichten Thomas Rosenlöchers, die in diesem Band versammelt sind, gelingt dies, in jenen aus den Jahren 1988- 1996 wie in den neuen Gedichten. Immer wieder steht die Zeit für einen Moment still, dehnt der Augenblick des Staunens gegen das Alltägliche sich zur Ewigkeit, ob beim Lauschen eines "Allegro Confusio" oder im Schein des Amsterdamer Rotlichts. Vielleicht ja deshalb, weil uns die Kindheit nie ganz verloren geht.

    Lavant: Gedichte
  • Christine Lavant
  • Gedichte
  • Suhrkamp 2011
  • ISBN 978-3-518-24006-9
  • € 11.00

Die aus dem Kärntner Lavanttal stammende Christine Habernig (1915-1973) ist als Christine Lavant zu einer der großen Dichterinnen deutscher Sprache geworden. Thomas Bernhards Auswahl gilt dem elementaren "Zeugnis eines von allen guten Geistern mißbrauchten Menschen als große Dichtung, die in der Welt noch nicht so, wie sie es verdient, bekannt ist".

Christine Lavant, geboren 1915 in St. Stefan im Lavanttal, Kärnten, lebte mit Ausnahme von zwei Jahren im Geburtsort. Sie schrieb Lyrik und Prosa und erhielt zahlreiche Preise. 1954 und 1964 den Georg-Trakl-Preis für Lyrik und 1970 den Großen Staatspreis für Literatur. Die Autorin verstarb 1973.

    Sielaff: Selbstporträt mit Zwerg
  • Volker Sielaff
  • Selbstporträt mit Zwerg
  • luxbooks 2011
  • ISBN 978-3-939557-98-2
  • € 22.00

Es ist nur dieser kleine Ausschnitt im Hof/ ein Stück Aussicht, die ich habe von meinem/ Fenster ... Volker Sielaff ist ein bescheiden auftretender Dichter der leisen Töne. Dagegen aber steht das ungewöhnlich vielstimmige Konzert der Lobeshymnen, das seinen Debütband "Postkarte für Nofretete" begleitet hat: Welt, Süddeutsche, taz, Frankfurter Rundschau, von Michael Braun bis Joachim Sartorius, man feierte einstimmig den Dichter des "Verschwindens im Bild". In der luxbooks.lyrik erscheint nun der lang erwartete zweite Band Sielaffs.

Volker Sielaff (Jg. 1966) wurde in Großröhrsdorf geboren. Seine Gedichte sind in zahlreichen Zeitschriften und in einflussreichen Anthologien wie Lyrik von Jetzt I erschienen und vielfach übersetzt. Sein erster Gedichtband "Postkarte für Nofretete" erschien 2003. 2007 wurde ihm der Lessing-Preis verliehen. Seine Rezensionen und Porträts erscheinen im Tagesspiegel und den Dresdner Neuesten Nachrichten. Sielaff lebt mit seiner Familie in Dresden, wo das von ihm mitbegründete Literaturforum Dresden regelmäßig Lyriklesungen organisiert.

    Helbig (Hrsg.): Es gibt eine andere Welt – Neue Gedichte
  • Axel Helbig (Hrsg.)
  • Es gibt eine andere Welt – Neue Gedichte. Eine Anthologie aus Sachsen. Andreas Altmann / Axel Helbig (Hrsg.)
  • Poetenladen 2011
  • ISBN 978-3-940691-23-1
  • € 24.80

Sachsen – ein Land der Dichter. Das ist immer wieder zu hören oder zu lesen. Mit der vorliegenden Anthologie haben die Herausgeber versucht, dieser begründeten Vermutung nachzugehen. Dabei ist ein gleichermaßen lesbares wie umfassendes Gedichtbuch entstanden, das die Qualität eines Standardwerks besitzt. Es bekennt sich zu seiner literarischen Verortung in Sachsen und zeigt zugleich ein überregionales dichterisches Panorama auf. Der Leser mag staunen, wie viele Dichter ihm hier begegnen, die die deutschsprachige Gegenwartsdichtung schlechthin präsentieren.

„Was das Unverwechselbare dieser Anthologie auszeichnet: dass sich plebejische Haltung und höchster Kunstanspruch, Geschichtsbewusstsein und Aufmerksamkeit für Lebensmomente, pure Sinnlichkeit und philosophisches Zweifeln, melancholische Ironie und visionäres Trotzdem im Gedicht verbünden können.“ (Aus dem Nachwort von Peter Geist)

    Materni: Das abwesende Haus meines Vaters
  • Undine Materni
  • Das abwesende Haus meines Vaters. Ein unruhiges Familienbild
  • Projekte-Verlag Cornelius 2011
  • ISBN 978-3-86237-681-0
  • € 9.80

Bildhaft und ausdrucksstark schildert die Autorin in diesem Buch Episoden aus der Geschichte einer Familie. Durch Erzählungen und Gedichte lässt sie den Leser an dem Leben der einzelnen Personen teilhaben. Da hat eine Frau mit Ende Fünfzig nach zwei gescheiterten Ehen schon lange mit ihrem Leben abgeschlossen. Verschanzt hinter ihrer Kissenburg hat sie sich Bett und Küche zu ihrem Lebensmittelpunkt gewählt. Ihre Eltern, die Mutter gutmütig und alle umsorgend, der Vater, gezeichnet vom Krieg; ihre Töchter, beide hochintelligent und schon lange weggezogen, sowie ihr Enkelsohn kommen, jeder mit eigener Sichtweise, zu Wort.

    Brinkmann: Vorstellung meiner Hände
  • Rolf Dieter Brinkmann
  • Vorstellung meiner Hände. Frühe Gedichte
  • Rowohlt 2010
  • ISBN 978-3-498-00667-9
  • € 16.00

Es hätte das eigentliche Debüt des Lyrikers Rolf Dieter Brinkmann werden sollen: der Gedichtband "Vorstellung meiner Hände", 1963 geschrieben, doch seinerzeit vom Verlag abgelehnt. Interesse hatte man an der Prosa des Autors, nicht an Gedichten, die sich von allem unterschieden, was damals als Lyrik galt. "Die Erde ist ein Sarg", "Rondo für Maleen", "Die hohen Feste des Luis Buñuel", "Die Bombe in meinem Kopf", aber auch "Ihre schönen Knie", schon die Titel verraten: Die Verse des 23-Jährigen enthalten bereits den unverkennbaren Brinkmann-Sound, vielleicht etwas roher, beredter, persönlicher, expressiver als später publizierte Texte des Autors.
Was Georg Klein vor drei Jahren in der "Süddeutschen Zeitung" über Rolf Dieter Brinkmann schrieb, trifft auch für die neu aufgefundenen Gedichte zu: "Fast kindlich tastende Beschreibungspassagen wechseln mit Stücken, in denen die ganze Radikalität seiner Wahrnehmungsreflexion und das merkwürdig verstockte, fast lauernde Potenzial seiner poetischen Möglichkeiten aufleuchten."

Rolf D. Brinkmann, geb. 16.04.1940 in Vechta, begann Brinkmann 1959 eine Buchhandelslehre in Essen. Seit 1962 in Köln; Pädagogikstudium., dann freier Schriftsteller. Aufenthalte in Rom (Villa Massimo), London, Gastdozent in Austin/Texas. Brinkmann flüchtete sich in die Rolle des provozierenden Rebellen, für den das Leben 'etwas unvorstellbar Gemeines, Viehisches' war: einerseits Auflehnung gegen die biologischen Gegebenheiten des Daseins und Abscheu vor dem Leben, andererseits Faszination und Zustimmung. Sein Credo 'Ich bin für den einzelnen.' Brinkmann machte die amerikanische Pop-Lyrik in Deutschland bekannt und wurde selbst der führende Pop- und Underground-Lyriker Deutschlands in den 60er Jahren. Brinkmann wurde 1975 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet. Er starb am 23. 4.1975 in London.

    Roth: Abendlandnovelle
  • Friederike Roth
  • Abendlandnovelle
  • Suhrkamp 2010
  • ISBN 3-518-42176-X
  • € 15.90

Friederike Roth setzt mit Ihrem neuen Buch eine Zäsur: Sie setzt neu an. Und zugleich thematisiert "Abendlandnovelle" diesen Neubeginn, denn sie handelt vom Wagnis, einen Anfang zu setzen im klaren Bewußtsein, daß jeder Anfang sein Ende immer schon mit sich führt, daß der erste Satz eines Textes zwangsläufig mit dem letzten Satz endet: "Im endlosen Anfangsgewirbel / dem riesigen Reservat aller Aufbruchsvisionen / aller Optionen auf alles / auf denkbar und undenkbar Mögliches / das bodenlose Entsetzen: / der einmal gemachte Schritt / verdirbt jeden anderen." Zwischen Anfang und Ende tauchen die ewig alten Fragen auf, "die handeln von Gott und der Welt / und dem Tod und der Liebe / von Leben Kunst Geld." Und was, wenn alle zwischen Anfang und Ende ausgespannten, ausgebreiteten, ausgemärten Geschichten, alle Lebens- und Textgeschichten, sich als Wiederholungen in endlosen Variationen erweisen? Wenn das Wagnis zum Schrecken wird vor den bekannten Zwangsläufigkeiten von Ereignisketten, vor deren Ende man vielleicht doch lieber stumm bliebe? "War immer schon / Zerstörung und Rekonstruktion / und Neukonstruktion und wieder Zerstörung / Menschenhandwerk, warum taugt es dann auch / für üppig nutzlose Schönheit?"

Wäre da nicht eben doch "eine Ahnung von Gelungenheit ohne Bedrohung etwas wie blauer Himmel", das uns mit unseren Sätzen weitertreibt dorthin, wo aber wieder "alle auf alle treffen", wo Väter schreien, Mütter weinen, jeder jeden kennt und man sich doch ganz und gar fremd ist: "Nie wollte man dahin kommen / nie, und ist eben doch / immer schon mittendrin".

    Krause: Farbkammern
  • Dieter Krause
  • Farbkammern
  • Leipziger Literaturverlag 2010
  • ISBN 978-3-86660-093-5
  • € 12.95

Steht ihnen das grüne Kleid? Hatten Sie es wirklich eilig vor der rot leuchtenden Ampel? Welche Farbe verbinden Sie mit dem Wort „Stille“? Farben gehören zu den unmittelbaren persönlichen Erfahrungen. Gleichzeitig entziehen sie sich am äußersten Rand ihrer Mitteilbarkeit und sind in unserer Lebenswelt doch Kommunikationsmittel. Eng an Gefühle geknüpft, sind Farbtöne Binde-glieder zwischen den Künsten. In den Nuancen wirken sie als Licht, ohne das wir nicht lebensfähig wären. Farben, die uns im Spektrum in bestimmten Wellenlängen begegnen, Zeugen unserer Vergangenheit, die sich mit physikalischen Mitteln nur bedingt beschreiben lassen. Sprache mit Licht und Farbe zu sehen, Worträumen andere Dimensionen zu geben als Ort und Zeit, welche Form würde sich besser eignen als Poesie?

    Sandell: Tagebuch, Abendwolken
  • Hakan Sandell
  • Tagebuch, Abendwolken. Gedichte
  • Edtion Rugerup 2009
  • ISBN
  • € 19.00

Håkan Sandell wurde 1962 in Malmö geboren und ist einer der bedeutensten Lyriker Schwedens. Als Dichter geliebt und umstritten, geht er in seiner Poesie ganz eigene Wege, Eine innige Verehrung früherer Epochen vereinen sich mit Sprachdisziplin und modernen Themen, die manchmal ganz erstaunlich mit Traditionen vermählt werden. Heute lebt Sandell in Oslo als Dichter und Herausgeber.

    Bachmann: Sämtliche Gedichte
  • Ingeborg Bachmann
  • Sämtliche Gedichte
  • Piper 2009
  • ISBN 978-3-492-23985-1
  • € 9.00

Ingeborg Bachmann, geb. 1926 in Klagenfurt, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der deutschsprachigen Nachkriegsgeneration. Ihr Werk umfaßt Romane, Kurzprosa und Lyrik, aber auch Übersetzungen aus dem Italienischen. 1964 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Sie starb 1973 in Rom.

    Gomringer u.a.: Herbstgedichte
  • Eugen Gomringer u.a.
  • Herbstgedichte
  • Reclam 2009
  • ISBN 978-3-15-010717-1
  • € 6.90

Wenn der Wind das Laub von den Bäumen reißt, wenn Sonnenstrahlen letzte Süße in den schweren Wein jagen, wenn Kraniche hoch über Stoppelfelder ziehen, wenn die Herbstesnebel wallen (Humphrey Hamster zum Gefallen...), dann schreiben die Dichter ihre schönsten Gedichte. Die Klassiker der besonders lyrischen Jahreszeit versammeln sich in diesem Bändchen.

    Sielaff (Hrsg.): Der Humor der Wolken
  • Volker Sielaff (Hrsg.)
  • Der Humor der Wolken. Moderne Poesie aus Taiwan
  • Taipei Book Fair Foundation 2009
  • ISBN
  • € 8.00

„Mir scheint das weiße Blatt eine schöne Metapher für die Übersetzung von Poesie und für das Dichten im allgemeinen zu sein“, schreibt Volker Sielaff in der von ihm herausgegebenen Sammlung moderner Poesie aus Taiwan „Der Humor der Wolken“. Da ist nicht an Versinterung gedacht,sondern eher an die Stille, in die Töne gemengt wird und das Unbunte, dem man Farben aufmalt. Das Gedicht ist jenes Gebilde, mit dem die Korrespondenz beginnt, dort, wo noch nichts ist, und es führt sie auf seine Weise je nach Kultur und Sprache und Individuum. Das taiwanesische Gedicht muß ein anderes sein und ist vom Grunde her wie jedes andere auch ein universelles. Gerade mal 12 Dichter/innen findet man in diesem Paperback, von acht Übersetzern übertragen. Es kann nur eine grobe erste Skizze sein, ein Appetizer. Ob auf den einsamen Alten Zhou Mengdie (geb. 1921), bei dem das Offensichtliche verschwimmt und die Realität zur Fähre wird, auf der man übersetzt von Moment zu Moment, oder auf die international schon bekanntere Hsia Yü (geb. 1956), die das sinnschwere Bauchreden mit Zufallsreden ersetzt (tatsächlich hat sie für ihren Gedichtband „Reibung: unaussprechlich“ den Vorgänger „Bauchrednerei“ Zeichen für Zeichen zerschnitten, Zeichen, die ja in der chinesischen Sprache für Morpheme, ganze Begriffe stehen, und völlig neu zusammengesetzt).

Es gibt einige lesenswerte Gedichte darin, und das macht bei einigen Autoren Appetit auf mehr. (Frank Milautzcki) fixpoetry.com: Dervollständige Text der Rezension von Frank Milautzcki

    Halmay: Schlusslichter
  • Petr Halmay
  • Schlusslichter
  • edition korrespondenzen 2009
  • ISBN 978-3-902113-61-0
  • € 17.90

»Schlusslichter« von Petr Halmay ist eine knappe, lakonische Lebensbilanz eines Mittvierzigers. Seine Gedichte umspielen in feinen Tönen jene Zäsur in der Mitte des Lebens, wo die eigene Endlichkeit nicht nur bewusster, sondern vor allem auch stärker wahrgenommen wird. Elegisch gestimmte Orte – eine dahinkümmernde Sommerfrische, das Möbellager eines Theaters, hölzerne Bootshäuser – grundieren die still bewegten Bilder und Momentaufnahmen, in welche nach und nach erst der Sohn, dann der Vater, die Mutter und die eigene Frau auftauchen. Diese gewinnen zunehmend an Raum, sodass sich inmitten »des von keinem gesehenen Todes« eine zarte Verschiebung abzeichnet von der wehmütigen Stagnation hin zu einem in seiner Brüchigkeit glückenden Leben. Mit sicherem Gespür für Details, ja scheinbare Nebensächlichkeiten, kreiert Halmay eine Atmosphäre, die in ihrer Leichtigkeit und Melancholie jene entscheidenden existenziellen Zwischentöne einfängt, die das menschliche Sich-Selbst-Fremdsein sichtbar werden lassen und es in heilsamer Stille auffangen.

    Geiger (Hrsg.): Laute Verse
  • Thomas Geiger (Hrsg.)
  • Laute Verse. Gedichte der Gegenwart - herausgegeben von Thomas Geiger
  • DTV 2009
  • ISBN 978-3-423-24692-7
  • € 14.90

Die Lyrik gilt derzeit als die Avantgarde der deutschen Literatur. So vital, so experimentierfreudig, so unterhaltsam, so klug wird derzeit nirgendwo sonst die Welt in Worte gefasst. Zwanzig Jahre nach der Wende hat sich eine neue Autorengeneration gebildet. Schädelmagie stellt die wichtigsten jungen Lyriker vor und bietet so einen profunden Überblick über die Lyrik der Gegenwart. Zudem gibt jeder Autor mit der Interpretation eines seiner Gedichte einen Einblick in seine Schreibwerkstatt. Mit Gedichten von Thomas Kling, Durs Grünbein, Marcel Beyer, Volker Sielaff, Christian Lehner, Jan Wagner, Marion Poschmann, Daniela Danz, Raphael Urweider, Kurt Aebli, Silke Scheuermann, Henning Ahrens, Sabine Scho u.a.

    Hruska: Jarek anrufen
  • Petr Hruska
  • Jarek anrufen. Gedichte
  • Pongratz 2008
  • ISBN 978-3-931883-64-5
  • € 8.00

Was in Petr Hruskas Gedichten besonders auffällt, ist sein Gespür für die geheimen Regungen zwischen Menschen. Sein genauer Blick auf Beziehungsgeflechte. Die Welt, von der er schreibt, scheint vertraut, aber der erste Eindruck täuscht. Hruskas Sprache lässt die Dinge unter unseren Augen zittern. Hruska schaut in die Ritzen der Wahrnehmung und lässt seine Leser staunen. Er kramt in unserer Sicherheit. Und findet Bilder, die wir so noch nicht kennen: vom Leben, das für ihn "übrig bleibt", wenn die Geliebte sich schlafen legt. Vom Licht, das die Zierkirsche vom Baum reißt. Die Welt der Familie. Die Gefahren, die im Alltäglichen lauern - davon unter anderem handelt Hruskas Poesie.
Kein Geringerer als der deutsche Lyriker Reiner Kunze hat Petr Hruskas Gedichte ins Deutsche übersetzt. Im Verlag Toni Pongratz ist eine feine, bibliophile Ausgabe dieser Gedichte erschienen, die den Titel "Jarek anrufen" trägt. Im Jahre 1998 erhielt Petr Hruska den Dresdner Lyrikpreis. Er ist Redakteur der Literaturzeitschrift "Host" und arbeitet am Institut für Tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften Brno. Hruska lebt in Ostrava.
(Aus der Einladung zur Lesung im Stadtmuseum Dresden, November 2015)

    Sartorius: Hôtel des Étrangers
  • Joachim Sartorius
  • Hôtel des Étrangers. Gedichte
  • Kiepenheuer & Witsch 2008
  • ISBN 978-3-462-04032-6
  • € 16.95

Reisen, Erinnern, Meditieren neue Gedichte von Joachim Sartorius
"Seine Verse sind sehr emotional und dabei sehr intellektuell. Sie gehen präzise aufs Ganze, als sei die Nagelprobe auf die Liebe in der Poesie zu machen. Und umgekehrt." Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung
Nach fünf Jahren legt Joachim Sartorius einen neuen Gedichtband vor. Er bleibt darin seinen großen Themen treu. Das sind die Sinnlichkeit und die Vergänglichkeit, die körperliche Liebe und ihr großer Bruder, der Tod. So mündet dieser Band in einen Totentanz, in eine furiose Fahrt ins Totenreich. Trost spendet die Kunst. Viele der neuen Gedichte befassen sich mit realen oder imaginierten Bildern und singen Hymnen auf die visionäre Kraft der Malerei. Wieder ist der Orient präsent. Die "Städte des Ostens" sind fremde Orte, Grenzübergänge zu intimen Topographien; sie führen in ein riskantes, exquisites Metapherngelände. Das Reisen, das schmerzlich intensive Erinnern und das Meditieren "Am Arbeitsplatz" sind für Joachim Sartorius allesamt vielschichtiger Ausdruck für das Schreiben und geben Antwort auf die von ihm hartnäckig gestellte Frage nach dem besonderen Ort, den das Gedicht bereitstellt. CREDOUnd die Nächte, waren sie nicht lang?Dehnten sie sich nicht ringsum in dievon Sonne verprügelte Steppe? Ich kaufteSalzbarren, weiß wie Schneezikaden,Gebetsknochen. So gerüstet reisten wir.Die Sternengreise über uns, fünfmalschwerer als die Sonne, stäubten.Wir rissen uns am Kameldorn wund undglaubten an kommende Quellgebiete,bis wie von Nichts das Nichts sich öffnete.

    Sartorius (Hrsg.): Für die mit der Sehnsucht nach dem Meer
  • Joachim Sartorius (Hrsg.)
  • Für die mit der Sehnsucht nach dem Meer
  • Rowohlt TB 2008
  • ISBN 978-3-86648-081-0
  • € 18.00

Das Meer als Meer - die schiere Weite, die endlose, aber auch eintönige Wasseroberfläche - hat die Dichter nicht wirklich inspiriert. Die Phantasie entzündete sich an den wechselnden Horizonten, an der beweglichen Linie zwischen Wasser und Land, an den unberechenbaren Stimmungen, an Ruhe und Sturm. Das Unermessliche selbst war eher Projektionsfläche für Sehnsüchte, diente als Metaphernspeicher für den Ursprung, das Offene, das Abgründige, auch für das Glück über den Abgründen. Es waren die Romantiker, die das Meer zum Ort der Selbstentdeckung machten, Bilder und Klischees prägten, die bis heute fortwirken: Das Meer als Meer der Gefühle. In ihrem Gefolge haben die Psychologen die Anziehung des Meeres damit erklärt, dass es ein Spiegel der Seele sei. Das harrt noch der Forschung. Wir sind geängstigt und fasziniert zugleich. Das findet sich in vielen Meeresgedichten wieder, gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert, bei Herman Melville und Walt Whitman, die das Dämonische und Unergründliche der See zu einer Zeit sangen, da wir noch nicht über die Ozeane fliegen konnten und diese Ozeane die Strategien der menschlichen Bewegung und Imagination vorzeichneten. Selbst heute, trotz der Domestizierung der Küsten und eines globalisierenden Strandlebens, bleibt das Meer Mysterium. Die Faszination des Elementaren hält an. «Alles ist Ufer. Ewig ruft das Meer», dichtete Gottfried Benn und meinte mit dieser Formel die Anziehungskraft des Offenen, des Ungebundenen für uns Beschränkte und Eingeschränkte.

    Kopland: Dank sei den Dingen
  • Rutger Kopland
  • Dank sei den Dingen. Ausgewählte Gedichte 1966 - 2006
  • Hanser Verlag 2008
  • ISBN 978-3-446-23071-2
  • € 14.90

Die Dinge, schreibt Rutger Kopland in einer seiner poetologischen Betrachtungen, "sagen uns nichts über sie selbst, außer dass sie immer schon da waren, da sind und immer da sein werden. Über uns sagen sie uns, dass auch wir aus Zeit geformt sind."

Kopland, 1934 in Goor geboren und emeritierter Professor für Psychiatrie, zählt zu den bedeutendsten Dichtern der Niederlande. Seine Dichtung widmet sich immer wieder dem Gegenüber: Wahrnehmung, Versprachlichung, Erfahrung von Wirklichkeitsverlust, Trennung und Liebe sind Hauptthemen seiner Gedichte. Für Kopland bedeutet das jedoch nicht, dass das Gedicht Speicher melancholisch-sentimentaler Betrachtungen der Vergänglichkeit zu sein habe: Es ist unverrückbar in der Gegenwart verankert.

    Lehnert: Auf Moränen
  • Christian Lehnert
  • Auf Moränen
  • Suhrkamp Verlag 2008
  • ISBN 978-3-518-41954-0
  • € 16.90

Sie stellen sich den Fragen nach der eigenen Existenz: der Bausoldat, der sich in der monotonen Plackerei auf Rügen zwischen "Gleichschritt" und "Normzeit" abhanden zu kommen droht der Anpassungsvirtuose Erich Mielke, für den das Wort Ich ein "bloßes Stochern im Dunkel" ist oder Apostel Paulus, der auf das Komme vertraut und das Hier und Jetzt als Zwischenzustand begreift: "Wie ein Buchstabe, / aufgerissenes Auge, nicht von dem Buch wissen kann, / das ihn enthält, / kann ich nicht lesen, wo ich bin". Auf Moränen erklingen diese Stimmen, unter ihnen ein Berg von Erlebnissen und Geschichte, Gedankengeröll, das sich übereinanderschiebt. Christian Lehnert spürt in seinen Gedichtzyklen tastend, drängend den Identitätsfragen nach, wie sie vom Urchristentum bis in die Gegenwart reflektiert werden, und entfaltet ein Wortgewebe voll dunklem Glanz (Gerhard Kaiser).

Lesung mit dem Autor am 9. April 2008, 20 Uhr

    Constantine: Etwas für die Geister
  • David Constantine
  • Etwas für die Geister. Gedichte. Englisch-Deutsch
  • Wallstein 2007
  • ISBN 978-3-8353-0103-0
  • € 19.00

»Dichtung wird aus Wörtern gemacht, und Wörter sind eine gängige Währung.«

David Constantines Gedichte in einer zweisprachigen Ausgabe.

Ein erheblicher Vorzug dieser Gedichte ist ihre Zurückhaltung. Nichts wird ausgestellt. Doch die Archive dahinter sind alles andere als leichtgewichtig. Edward Thomas, D. H.Lawrence, Keats und Hardy zählt Constantine zu den Autoren, die ihn beeinflusst haben, aber auch Goethe, Hölderlin und Kleist, die er ebenso übersetzt hat wie die Franzosen Michaux und Jacottet. David Constantines Schreiben ist auf diskrete Weise aufgeladen von der humanen Idee, dass ein Gedicht im Leser Sinn für ein freieres, vollständigeres und wahrhaftigeres Leben weckt.
(Verlagsinformation)

    Braun: Deutschlandfunk Lyrikkalender 2008
  • Michael Braun
  • Deutschlandfunk Lyrikkalender 2008
  • Wunderhorn Verlag 2007
  • ISBN 978-3-88423-280-4
  • € 22.00

Lesen Sie täglich ein Gedicht! Jeden Tag des Jahres wird ein kurzer Lyrik-Text zweimal täglich in das Programm des Deutschlandfunks "eingestreut", in je unterschiedliche Sendungen eingeblendet. Jetzt können Sie "das Gedicht des Tages" und einen Kommentar dazu in unserem Kalender lesen: Ein Blatt für jeden Tag, auf der Vorderseite das Gedicht in wechselnder Farbe, mit übersichtlicher Datumsanzeige, den Kommentar auf der Rückseite. Die Auswahl - der Bogen spannt sich von der hochmittelalterlichen Dichtung bis hin zu ganz aktuellen Texten - besorgte der Heidelberger Literaturwissenschaftler Michael Braun, unübertroffen in seiner Kenntnis der deutschen Lyrik. Jedem Gedicht hat er einen Kommentar beigegeben, der den Text, seinen Autor und die Zeitumstände kurz und treffend, dabei einfühlsam umreißt.

24 Texte aus dem Deutschlandfunk Lyrikkalender 2007 haben wir in diesem Jahr für unser Adventskalender-Schaufenster ausgewählt!

    Kunze: lindennacht
  • Reiner Kunze
  • lindennacht. Gedichte
  • S. Fischer Verlag 2007
  • ISBN 978-3-10-042024-4
  • € 17.90

„fahrt mit altem meister“ heißt in Reiner Kunzes neuem Gedichtband eine seiner poetischen Landschaften, wie er sie unnachahmbar mit wenigen Strichen zu malen versteht. Auch der Autor selbst zeigt in „lindennacht“ die reifste Meisterschaft: eine, die mit immer sparsameren, scheinbar immer kunstloseren Mitteln Kunst entstehen läßt. Jahrzehnte von Leben und Schreiben müssen auf diese Kunst hingearbeitet haben. (Jakub Ekier)

Die originären Sprachbilder dieses Lyrikbandes berühren durch ihre Einfachheit, Präzision und ein Äußerstes an Menschlichkeit. Unüberhörbar leise entwerfen die Gedichte Kindheitserinnerungen, sprechen über das Lieben und nähern sich dem Tod.

    Brodsky: Haltestelle in der Wüste
  • Joseph Brodsky
  • Haltestelle in der Wüste. Gedichte Russ.-Deutsch
  • Suhrkamp 2005
  • ISBN 978-3-518-22266-9
  • € 11.00

Joseph Brodsky (1940-1996) gilt als der bedeutendste russische Lyriker der Gegenwart. Er mußte 1972 gegen seinen Willen seine Heimat verlassen und lebte seither in den USA. Doch seine Gedichte schrieb er weiterhin auf russisch. 1987 wurde ihm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Themen von Brodskys Lyrik sind vielfältig: Leiden an der Welt, Liebe und Tod, Trennung und Einsammkeit. Seine Dichtung verbindet Klassizität der Form mit sprachlicher Modernität, wobei er historische, antike und biblische Figuren zur Darstellung individueller Erfahrung des heutigen Menschen verwendet. Brodsky, der gefordert hat, Gedichtbände müßten massenhaft an Tankstellen verkauft werden, um das Bewußtsein für Sprache wachzuhalten, schrieb über den von ihm verehrten englischen Lyriker W.H.Auden: 'Doch der Mensch ist, was er liest.'

Joseph Brodsky, geb. 1940 in St. Petersburg. Anfang der sechziger Jahre erschienen seine ersten Gedichte in sowjetischen Almanachen, hauptsächlich aber in der Untergrund-Publikation Sintakis. Im Juni 1972 wurde er aus der Sowjetunion ausgebürgert und lebte seither in den USA. Für ein literarisches Schaffen von umfassender Breite, geprägt von gedanklicher Schärfe und dichterischer Intensität wurde Joseph Brodsky 1987 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er starb 1996 in New York.

    Yeats: Gedichte
  • William Butler Yeats
  • Gedichte
  • Luchterhand 2005
  • ISBN 978-3-630-87214-8
  • € 9.00

Eine Übersetzerin und vier der namhaftesten Lyriker in deutscher Sprache haben sich einer gewaltigen Aufgabe gestellt: Sie haben sämtliche Gedichte, die Yeats in mehr als 50 Jahren geschrieben hat, neu übersetzt. Damit liegt zum ersten Mal dieses reiche und in seiner poetischen Vielfältigkeit nicht zu überbietende lyrische Werk eines der bedeutendsten Dichter der europäischen Literatur in kongenialen Übersetzungen komplett auf Deutsch vor. Ein Meilenstein in der Veröffentlichungsgeschichte des genialen irischen Dichters.
Er beschwor die keltische Dämmerung und segelte in seinen Träumen nach Byzanz, er beutete sein Liebesunglück literarisch aus und lebte in einer eigenen esoterischen Welt. Er gründete ein Nationaltheater, besang den Freiheitskampf seines Volkes und wurde Senator des irischen Freistaats: William Butler Yeats (1865-1939) ist eine der vielseitigsten und widersprüchlichsten Gestalten der europäischen Moderne und unbestritten einer der ganz großen Dichter des 20. Jahrhunderts. In den fünfzig Jahren seines Schaffens haben ihn alle großen Zeitgenossen bewundert, für nachwachsende Lyrikergenerationen wurde er immer wieder zu einem der ihren.
1923 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Sein reiches, wildes und mit äußerstem Formwillen geschriebenes lyrisches Werk liegt nun erstmals vollständig auf Deutsch vor in komplett neu erstellten Übersetzungen.
Dieser gewaltigen Aufgabe haben sich Marcel Beyer, Mirko Bonné, Gerhard Falkner und Norbert Hummelt, vier der besten deutschsprachigen Lyriker unserer Zeit, gestellt, dazu die Übersetzerin Christa Schuenke, die für ihre Übertragung der Sonette William Shakespeares gefeiert worden ist. Ihre kongenialen Übersetzungen treffen den Ton, den Yeats angeschlagen hat, in unserer heutigen Sprache. 35 Jahre nachdem William Butler Yeats zum ersten Mal im Luchterhand Verlag erschien, ist jetzt mit dem "deutschen Yeats" die Lebenssumme des großen Lyrikers endlich hierzulande zugänglich ein Meilenstein in der Veröffentlichungsgeschichte dieses großen irischen Lyrikers.

William Butler Yeats wurde am 13. Juni 1865 im irischen Sandymount bei Dublin geboren. Yeats studierte erst Kunst bevor er sich ab 1880 der Literatur zuwandte. Er lernte Oscar Wilde kennen und setzte sich sehr für die englischsprachige irische Literatur ein. William Butler Yeats gründete mit der Unterstützung von Lady Gregory 1899 das Abbey Theatres in Dublin, das spätere irische Nationaltheater und schrieb zahlreiche Stücke für sein Theater. Yeats schrieb Prosa, Lyrik, Dramen und Essays. 1923 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Am 28. Januar 1939 starb William Butler Yeats in Roquebrune-Cape-Martin, in der Nähe von Nizza.

    Bobrowski: Im Strom
  • Johannes Bobrowski
  • Im Strom. Gedichte und Prosa
  • Wagenbach 2001
  • ISBN 978-3-8031-1112-8
  • € 13.90

Johannes Bobrowski der Dichter und Chronist "Sarmatien", der Landschaft zwischen Ostpreußen und Litauen, wird hier in einer repräsentativen Auswahl vorgestellt. Es sind die wichtigsten Gedichte aus den drei Lyrik-Bänden Sarmatische Zeit, Schattenland Ströme und Wetterzeichen; die beiden ersten erschienen zu Lebzeiten des Autors, den letzten stellte er noch zusammen. Und es sind neun charakteristische Erzählungen aus den beiden Prosa-Bänden Mäusefest und Der Mahner. Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach und den Lebensdaten. Im LeseOhr finden Sie eine Originalaufnahme des Autors aus den sechziger Jahren als CD.

    Grzebalski: Graffitti
  • Mariusz Grzebalski
  • Graffitti. Gedichte. Polnisch-Deutsch
  • Edition Korrespondenzen 2001
  • ISBN 978-3-902113-08-5
  • € 19.20

Lebensträchtigkeit, die erstaunt, verstört, befremdet und wieder versöhnt, zeichnet die Arbeit des jungen polnischen Dichters Mariusz Grzebalski aus. Das Nebeneinander von Liebe und Tod, Glück und Grauen, Alltag und Abgehobenheit, Traum und drastischer Realität, jeweils mit einer Dosis Absurdität, einer überraschenden Wendung, Erkenntnis oder auch lakonischer Resignation versehen, besticht und berührt gleichermaßen. Aus dem Spannungsfeld zwischen Phantasie und Konkretum, Sinn und Sinnlichkeit gewinnt diese Lyrik ihre Dynamik und Überzeugungskraft.

Mariusz Grzebalski, geb. 1969 in Lodz. Studium der Philosophie und Polonistik in Poznan, Briefträger, Museumswärter, Gerichtsprotokollant, Leiter einer Elektrotechnik-Großhandelsfirma, Mitarbeiter in verschiedenen Verlagen, Werbeagenturen und Literaturzeitschriften (u.a. langjähriger Chefredakteur von Nowy Nurt). Lebt als freier Schriftsteller in Kozieglowy kolo Poznania.

Bisher liegen drei Gedichtbände auf Polnisch vor: Negatyw (Negativ, 1994; Literaturpreis für das beste Debüt des Jahres), Ulica Gnostycka (Gnostische Straße, 1997; Polnischer Verleger-Preis) und Drugie Dotkniecie (Zweite Berührung, 2001). Mit dem zweisprachigen Auswahlband Graffiti wird die Lyrik von Mariusz Grzebalski nun erstmals in einer eigenständigen Buchpublikation der deutschen Leserschaft zugänglich gemacht.
(Verlagsinformation)